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ÖGKJ-Weihnachtsbrief 2009

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu und damit auch das erste Jahr des seit 1.1.2009 neuen Präsidiums der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Diese letzten Tage vor dem Jahreswechsel möchten wir nun gerne zum Anlass nehmen, für Sie die wichtigsten Entwicklungen und Änderungen bezüglich unseres Faches Kinder- und Jugendheilkunde in diesem Jahr in aller Kürze zusammen zu fassen.

Ein Rückblick auf das Jahr 2009 zeigt, wie enorm wichtig es auch für die nächsten Jahre sein wird, die vom Präsidium klar definierten Ziele Prüfung und Zulassung von Arzneimitteln für Kinder, Kinderrehabilitation, kostenfreie Therapien für Kinder, Prävention (Mutter/Kind-Pass, Adipositasprävention) und Additivfachausbildung bzw. Spezialisierungen für Kolleginnen und Kollegen im Sinne der Kinder- und Jugendheilkunde weiterhin nachhaltig zu verfolgen.

Bekanntlich wird seit drei Jahren vom Bundesministerium in regelmäßigen Intervallen von etwa drei Monaten die „Ständige Kommission für Kindermedizin“ einberufen. Diese ist dazu aufgerufen, wesentliche Anliegen der Kinder- und Jugendmedizin vorzubringen und gemeinsam mit dem Ministerium umzusetzen. Leider war – aus pädiatrischer Sicht - das Jahr 2009 gekennzeichnet durch die „Schweinegrippe“. Dieses Thema nahm die Gesundheitspolitik derart in Anspruch, dass von Seiten der Pädiatrie kaum weitere Themen adäquat platziert werden konnten. Der „Ständigen Kommission“ wurde klar signalisiert, dass im Jahr 2009 große finanzielle Mittel durch die Pandemie gebunden und dadurch keine zusätzlichen Ausgaben für Kinder und Jugendliche denkbar seien.

Trotz des wiederholten, konsequenten Einsatzes des ÖGKJ-Präsidiums und Vertreter des Vorstandes blieben 2009 wichtige Anliegen der Pädiatrie unbehandelt bzw. unerfüllt:

Das Thema „Arzneimittelsicherheit“ und die Zulassung von Arzneimitteln für Kinder fristet in Österreich weiterhin ein stiefmütterliches Dasein. Dem von der EU ausgesprochenen Auftrag zur Arzneimittelforschung auch auf nationaler Ebene ist Österreich bisher nicht entsprechend nachgekommen. Das von der ÖGKJ ausgearbeitete Projekt „O.K.ids“ wird vom Bundes-ministerium seit Jahren wohlwollend behandelt und gleichzeitig auf die lange Bank geschoben.

Unzufriedenstellend bleibt auch die Situation der Rehabilitation für Kinder und
Jugendliche
. Etwa 6.000 - 7.000 Betten für Erwachsene stehen gezählte 50 Kinder-Rehabetten gegenüber. Zwar wurde vom Bundesministerium für Gesundheit beim ÖBIG/GÖG ein Plan zur pädiatrischen Rehabilitation in Auftrag gegeben und gemeinsam mit Vertretern der Pädiatrie erarbeitet, dieser wird aber seither vom Hauptverband unter Verschluss gehalten.

Das Präsidium der ÖGKJ setzt sich dafür ein, Wohnort-nahe Reha-Möglichkeiten für Kinder zu schaffen. Realistisch gesehen, wird dieses Ziel in den nächsten Jahren aber nicht zu erreichen sein. Wir befürworten daher die Pläne eines Betreibers in St. Pölten, eine Kinderrehabilitation zu errichten. Das Argument ist nachvollziehbar, dass eine kritische Größe einer Reha-Klinik notwendig ist, um sie kostengünstiger führen zu können.

Nicht gelöst ist bisher auch das Problem der Selbstbehalte für Physio-, Logo-, Ergo- und Psychotherapie. Seitens vieler Krankenkassen in Österreich (von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich) sind die Leistungen der Physio-, Ergo- und Psychotherapie sehr niedrig dotiert, abhängig von lokalen Regelungen haben Eltern pro Therapiestunde 20 bis 50 Euro Beitrag zu leisten. Viele TherapeutInnen bieten ihre Leistungen nur im Rahmen einer freien Praxis an. Es kommt zu langen Wartezeiten, Therapieverzögerungen bzw. oftmals unterbleiben Therapiemaßnahmen. Eine viel beachtete gemeinsame Pressekonferenz von ÖGKJ und „Politischer Kindermedizin“ hat volle Kostenübernahme – wie etwa in Deutschland - durch die Krankenversicherungsträger gefordert. Auch dieses Anliegen ist allerdings bisher nicht zufriedenstellend gelöst.

Derzeit sind bekanntlich sechs pädiatrische Additivfächer anerkannt, nämlich
Diabetologie & Endokrinologie, Hämato-Onkologie, Kardiologie, Neonatologie & Pädiatrische Intensivmedizin, Neuropädiatrie und Pulmonologie & Allergologie.
Für weitere sechs Spezialgebiete (Gastroenterologie & Hepatologie, Infektiologie, Nephrologie, Rheumatologie, Sportmedizin, Stoffwechsel) wird die Zusatzqualifikation einer „Spezialisierung in“ bei der ÖÄK beantragt. Ziel der ÖGKJ bleibt jedoch nach wie vor, diese Spezialisierungen als Additivfächer zu etablieren und dadurch eine Gleichstellung aller Spezialausbildungen mit jenen im übrigen Europa herzustellen. Derzeit haben die österreichischen KollegInnen einen Nachteil, wenn sie sich im Ausland für entsprechende Positionen in diesen Fachbereichen bewerben.

Die Ziele und Themen der ÖGKJ wurden von entsprechenden Maßnahmen in der Öffentlichkeitsarbeit begleitet und unterstützt. Die von der ÖGKJ organisierte Pressekonferenz zum Thema „Kinder ohne Therapien“ in Wien bzw. die entsprechend dem Thema „Was wird auch unseren Kindern…?“ sehr umfangreiche Pressekonferenz zur diesjährigen Jahrestagung in Graz transportierten dank der Teilnahme zahlreicher Medien die Anliegen unserer Fachgesellschaft in eine breite Öffentlichkeit. Ebenso meldete sich die ÖGKJ über verschiedene Presseaussendungen, etwa zu den Themen H1N1-Impfung, Internationaler Tag der Frühgeborenen, Resolution 2009 der Politischen Kindermedizin, RTL-Sendung: Erwachsen auf Probe, etc. zu Wort. Ein eigener über mehrere Wochen laufender Themenschwerpunkt „Pädiatrie“ in der „Ärzte Krone“ gab mit von ÖGKJ-Mitgliedern aufbereiteten Fachartikeln Einblick in die Vielfalt der Kinder- und Jugendheilkunde. Mehrere ÖGKJ-Mitglieder hatten auch die Möglichkeit, in der seit März 2009 auf TW1 laufenden neuen Service- und Informationssendung „baby`s“ als Experten für den Bereich Medizin/Gesundheit mitzuwirken.

Eine wesentliche Neuerung gab es im Jahr 2009 auf dem Gebiet der Facharztprüfung. Um den Kolleginnen und Kollegen eine optimale Vorbereitung darauf zu ermöglichen, wurde eine in Umfang und Schwere der Realprüfung entsprechende Testprüfung erstellt und eine Software zur automatischen Bewertung erarbeitet. Die Testprüfung kann von der Homepage der ÖGKJ http://www.docs4you.at jederzeit heruntergeladen und ausgeführt werden. Auch „Fortgeschrittene“ können sich hier selbst testen.

Das Jahr 2009 ermöglichte Mitgliedern und Interessierten auch wieder die Teilnahme an verschiedenen, vielbeachteten Fortbildungsveranstaltungen, wie etwa der Fortbildungstagung in Obergurgl und dem Pädiatrische Frühling in Seggau.
Die 47. Jahrestagung, diesmal in Graz, mit dem Thema „Was wird aus unseren Kindern und Jugendlichen…?“ war mit nahezu 700 Tagungsteilnehmern besonders gut besucht. Erfrischend waren dort auch die Präsentationen der jungen Kolleginnen und Kollegen, welche im „Young Investigators Corner“ erstmals Gelegenheit hatten, die Ergebnisse ihrer Diplomarbeiten vorzustellen. Die Präsidentin der Jahrestagung 2010, Frau Primaria Dr. Gabriele Wiesinger-Eidenberger, hat bereits zugesagt, auch in Linz eine derartige wissenschaftliche Sitzung einzuplanen.
Dem sehr wichtigen Thema „Prävention“ widmete sich zuletzt die ÖGKJ-Fortbildungstagung in Feldkirch.

Im Rahmen des 4th Europediatrics Kongresses der EPA/UNEPSA in Moskau im Juli 2009 wurde der Vizepräsident der ÖGKJ, Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Kaulfersch, vom Präsidenten der EPA ersucht, den 5th Europediatrics Kongress 2011 für Wien zu bewerben. Zur Wahl standen auch Budapest, Alicante und Vilnius. Anfang Dezember entschieden sich die General Assembly-Mitglieder während eines Meetings in Florenz erfreulicherweise für Wien. Der 5th Europediatrics Kongress wird daher – mit Dr. Kaulfersch als Kongresspräsidenten - vom 3.-6. Juli 2011 im Austria Center Vienna unter Teilnahme europäischer, amerikanischer
und asiatischer Länder stattfinden. ÖGKJ-Mitglieder sind schon jetzt herzlich eingeladen.

Abschließend erlauben wir uns, Sie auf zwei zeitlich näher liegende Veranstaltungen hinzuweisen, nämlich auf die 48. Jahrestagung unserer Gesellschaft, von 30.09.-02.10.2010 in Linz mit dem Thema „In die Wiege gelegt…“, sowie auf die ÖGKJ-Fortbildungstagung vom 29.-30.10.2010 in Leoben. Letztere trägt den Titel „Pädiatrie MMX (2010)“ und ist erstmals als komprimierte Darstellung neuester Entwicklungen in allen
pädiatrischen Spezialgebieten im Sinn eines „Update“ konzipiert.

Wir freuen uns auf eine weitere gute Zusammenarbeit im neuen Jahr!


Frohe Weihnachten wünscht herzlichst


Das Präsidium

der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde



Präsident
Primar Univ.-Prof. Dr. Klaus Schmitt

Vizepräsident
Primar Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Kaulfersch

Erster Sekretär
OA Dr. Rudolf Schwarz

Zweiter Sekretär
Primar Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl

Referent für Berufsfragen
MR Dr. Dietmar Baumgartner

Kassenführer
Dr. Ernst Wenger


>OEGKJ_Weihnachtsbrief_2009.pdf  56.3 kB
Erstellt am 22.12.2009