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Presseaussendung: Kinder brauchen kostenlose Therapien! 21.12.2009
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Die Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Heilpädagogischen Gesellschaft Österreichs und Vertreter der Plattform Politische Kindermedizin reagieren in einem offenen Brief an den Vorsitzenden des Hauptverbandes der österreichischen Sozial-versicherungsträger, Dr. Hans Jörg Schelling, auf dessen Aussage am 14.12.2009 in einem Kurier-Interview. Nach Ansicht Schellings müssten auch die heimischen Krankenkassen mehr für Prävention tun, seien aber laut Gesetz nur für Heilbehandlungen und nicht auch für Vorsorge zuständig. Dies sei ein Fehlansatz, das Gesamtsystem sei umzustellen und Anreize für Prävention zu schaffen.

Dieser Aussage kann aus kinderärztlicher Sicht zwar beigepflichtet werden, jedoch finden sich nach Meinung der Kinderärzte und Kinderpsychiater nach wie vor große Defizite im Bereich der Heilbehandlung von Kindern und Jugendlichen, vor allem im Bereich der ambulanten Therapien. Für diese gibt es teilweise nur geringe Zuschüsse, so dass eine Behandlung erkrankter Kinder vielfach verzögert wird oder ganz unterbleibt, weil es sich die
Betroffenen nicht leisten können. In benachbarten Ländern, wie etwa Deutschland, erfolgen derartige Therapien kostenlos.


Offener Brief vom 16. Dezember 2009
An den Vorsitzenden des Verbandsvorstandes des
Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger
Dr. Hans Jörg Schelling


Betrifft: Kurier-Interview vom 14. Dezember 09

Sehr geehrter Herr Dr.Schelling !

Ihrer Forderung im Kurier vom Montag, 14.12. zum Thema "Verstärkte Leistungen der Krankenkassen im Bereich der Gesundheitsvorsorge" kann aus ärztlicher Sicht nur voll und ganz beigepflichtet werden.

Wir gehen davon aus, dass Krankheitsverhütung bzw. Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen eine besondere Stellung hat. Denn gerade mit rechtzeitigen Maßnahmen in dieser Altersgruppe werden langfristige und nachhaltige Veränderungen erreicht und damit über viele Jahrzehnte von Gesundheit oder Krankheit mit entsprechendem Behandlungsbedarf entschieden.

Zusätzlich wird auch noch eine hochwirksame Beeinflussung des Gesundheitsverhaltens erreicht. Die Förderung einer gesunden Entwicklung von Kindern und eine frühzeitige Wahrnehmung von Störungen oder Beeinträchtigungen ist daher nicht nur eine moralisch-ethische, sondern auch eine volkswirtschaftlich sinnvoll begründbare Maßnahme. Internationale Beispiele belegen dies eindrucksvoll.

Wir erlauben uns in diesem Sinne aber darauf hinzuweisen, dass selbst in dem von Ihnen erwähnten Aufgabenbereich der Heilbehandlungen noch große Lücken bestehen: für ambulante Therapien für Kinder und Jugendliche wie den im §135 ASVG explizit der ärztlichen Hilfe gleichgestellte Ergo-, Physio- logopädischen-, oder Psychotherapie erhalten die Versicherten bei fehlenden Gesamtverträgen mit den jeweiligen Therapeuten teilweise so geringe Zuschüsse, dass eine entsprechende Therapie für die erkrankten Kinder oft lange verzögert und teilweise verhindert wird. Viele sozial schwache Familien können die notwendigen Eigenmittel nicht aufbringen, was ganz besonders bei Mehrkind-Familien der Fall ist. Der Zugang zu diesen laut ASVG zugesicherten Therapien ist für solche Kinder nicht gegeben.

Wir ersuchen Sie, sich im Hinblick auf die Versorgung von Kindern und Jugendlichen daran zu erinnern, dass hier nicht nur in der Prävention, sondern auch in der Behandlung noch beträchtliche Defizite bestehen. Gerade die frühzeitige bzw. rechtzeitige Behandlung von Entwicklungs-störungen bietet ja die besten Chancen, Kindern und Jugendlichen eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Wird nicht zeitgerecht behandelt, wirkt sich das negativ auf den Heilungserfolg aus.

Die Therapie von Entwicklungsstörungen kann nämlich sowohl spätere Erkrankungen und Behinderungen verhindern, als auch Sozialkarrieren, die teilweise bis in die Kriminalität führen.

Alle diese Effekte haben große individuelle Bedeutung für die betroffenen Kinder und später Erwachsenen, gleichzeitig sind sie für die Gesellschaft von immensem sozialen und ökonomischen Wert.

Wir freuen uns, dass Sie dieses Thema aufgegriffen haben und bieten Ihnen unsere Mitarbeit an. Gerne würden wir Ihnen unsere Argumente und Kostenrechnungen in einem weiterführenden Gespräch darlegen.



Univ.-Prof. Dr. Klaus Schmitt
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und JugendheilkundeeMail:klaus.schmitt@gespag.at


Univ.-Doz. Dr. Georg Spiel
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie
eMail:georg.spiel@promente-kijufa.at


WHR. Dr. Ernst Tatzer
Präsident der Heilpädagogischen Gesellschaft Österreichs
eMail:ernst.tatzer@noehpz.at


Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl
Dr. Rudolf Püspök
A.o. Univ.-Prof. Dr. Franz Waldhauser
Dr. Lilly Damm - Politische Kindermedizin


Kontakt:
eMail:lilly.damm@gmx.at
Tel: 01 / 523 42 04


>Offener_Brief_der_Kinderaerzte_an_Sozialversicherungstraeger.pdf  119.1 kB

Erstellt am 22.12.2009 | Zuletzt bearbeitet am 23.12.2009