Kongress-Thema: In die Wiege gelegt
Wie entscheidend sind Erbanlagen und Umwelteinflüsse
für die Gesundheit unserer Kinder?
Bessere Überlebenschancen durch multidisziplinäre Zusammenarbeit
Heute haben Kinder mit angeborenen Erkrankungen eine immer bessere Überlebenschance. Grund dafür sind einerseits das frühzeitige Erkennen solcher Erkrankungen, aber andererseits auch die besseren Behandlungsmethoden.
Es erfordert eine multidisziplinäre Zusammenarbeit von Vertretern verschiedenster medizinischer Fachbereiche, beginnend mit Pränatalmedizinern, Neonatologen, Kinderchirurgen, Kardiologen und Experten vieler weiterer Spezialbereiche. Auf diesem Kongress soll ein breiter Erfahrungsaustausch der neuesten Erkenntnisse der jeweiligen
Fachgebiete erfolgen.
Mangelnde Therapiemöglichkeiten erschweren Leben mit angeborenen Erkrankungen
Kinder und Jugendliche, die an einer angeborenen, genetisch bedingten Erkrankung leiden, und deren Eltern werden von den Pädiatern von der Pränatalzeit weg bis ins junge Erwachsenenalter begleitet. Für viele ist dieser Weg nicht einfach, wenn man nur an die mangelnden und zum Teil kostenintensiven, aber notwendigen Therapiemöglichkeiten im
niedergelassenen Bereich denkt, wie etwa Physiotherapie oder Ergotherapie. Der Themenschwerpunkt des Kongresses soll erneut die Verantwortlichen „wachrütteln“ und eine Verbesserung dieser Situation herbeiführen.
Überleben um jeden Preis?
Andererseits muss auch bedacht werden, dass ein Überleben mit schweren Malformationen für das Kind, deren Eltern und Bezugspersonen, aber auch für das behandelnde medizinische Personal eine besondere Belastung darstellt. Nicht selten kommen die beteiligten Personen in der Betreuung des Kindes an die Grenze ihrer physischen und psychischen Kräfte. Überleben um jeden Preis?
Diese Frage wird in einem eigenen Vortragsblock aus ethischer Sicht behandelt.
Einfluss von Umwelt und Lebensstil auf Gene
Der Themenschwerpunkt der diesjährigen Tagung „In die Wiege gelegt…“ umfasst aber nicht nur den Bereich der angeborenen Erkrankungen und Fehlbildungen, sondern beschäftigt sich auch mit der Frage nach dem Einfluss der Umwelt, der Herkunft und des Lebensstils auf die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen. In zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten konnte gezeigt werden, dass diese Faktoren Einfluss auf das genetische Material unserer Kinder haben.
Viele Gene unserer DNA sind inaktiviert, früher auch „genetischer Müll“ bezeichnet. Mehr und mehr erkennt man, dass diese Anteile durch externe Einflüsse - wie Lebensstil und Umwelt - durch den chemischen Vorgang der Methylierung ein- und ausgeschaltet werden können. Bei der DNA-Methylierung handelt es sich um eine chemische Abänderung an
Grundbausteinen der Erbsubstanz einer Zelle. Das Wissensgebiet der Epigenetik beschäftigt sich mit diesem Phänomen.
Umwelt verändert - ursprünglich idente - genetische Anlagen eineiiger Zwillinge
In Zwillingsforschungen über eineiige Zwillinge (* „Epigenetic differences arise during the lifetime of monozygotic twins“) konnte gezeigt werden, dass bei primär identer genetischer Anlage der beiden Geschwister, allerdings unterschiedlichem Umgebungsmilieu, bereits im 3. Lebensjahr unterschiedliche Methylierungsmuster auf der DNA bestanden haben. Das
heißt, es sind unterschiedliche Gene aktiv. Je älter die Geschwister wurden, umso größer war der Unterschied. Diese Ergebnisse der Madrider Forschungsgruppe beweisen den Einfluss der Umwelt- und Lebensstilfaktoren auf unser genetisches Material.
Umso wesentlicher ist es, unseren Kindern ein optimales psychosoziales Umfeld zu ermöglichen.
In Rahmen des Kongresses werden zahlreiche Beiträge betreffend den Einfluss der Umweltfaktoren, Lebensart und des Lebensstils der Eltern sowie prophylaktische Maßnahmen zur Unterstützung der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen präsentiert. Ganz wesentlich ist in diesem Zusammenhang auch die Adipositas – und Suchtprophylaxe.
Zitat Prim. Dr. Gabriele Wiesinger-Eidenberger:
„Einerseits möchten wir unseren Patienten mit angeborenen Erkrankungen
ein Leben mit bestmöglicher Qualität ermöglichen, andererseits wollen wir
verhindern, dass negative Lebenseinflüsse sich auf die Gene unsere Kinder
insofern auswirken, dass ihre Lebensqualität vermindert wird.“
*Epigenetic differences arise during the lifetime of monozygotic twins
Mario F. Fraga,* Esteban Ballestar,* Maria F. Paz,* Santiago Ropero,* Fernando Setien,* Maria L. Ballestar,† Damia Heine Suñer,‡ Juan C. Cigudosa,§ Miguel Urioste,¶ Javier Benitez,¶ Manuel Boix-Chornet,† Abel Sanchez-Aguilera,† Charlotte Ling, Emma Carlsson, Pernille Poulsen,** Allan Vaag,** Zarko Stephan,†† Tim D. Spector,†† Yue-Zhong Wu,‡‡ Christoph Plass,‡‡ and Manel Esteller*§§
*Epigenetics, §Cytogenetics, and ¶Genetic Laboratories, Spanish National Cancer Centre (CNIO), Melchor Fernandez Almagro 3, 28029 Madrid, Spain; †Department of Behavioral Science, University of Valencia, 46010 Valencia, Spain; ‡Molecular Genetics Laboratory, Genetics Department, Son Dureta Hospital, 07014 Palma de Mallorca, Spain; Department of Clinical Sciences,
University Hospital Malmö, Lund University, S-205 02 Malmö, Sweden; **Steno Diabetes Center, 2820 Gentofte, Denmark; ††Twin Research and Genetic Epidemiology Unit, St. Thomas' Hospital, London SE1 7EH, United Kingdom; and ‡‡Human Cancer Genetics Program, Department of Molecular Virology, Immunology, and Medical Genetics, Ohio State University,
Columbus, OH 43210
§§ To whom correspondence should be addressed. E-mail: mesteller@cnio.es.
Edited by Stanley M. Gartler, University of Washington, Seattle, WA
Received January 17, 2005; Accepted May 23, 2005.
Wiesinger_Statement_zum_Thema_des_Paediaterkongresses.pdf 385.3 kB