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Statement Vavrik: Sozialpädiatrie
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Entwicklungs- und Sozialpädiatrie



Umwelt und soziale Herkunft beeinflussen Gesundheit österreichischer Kinder und Jugendlichen massiv: Immer mehr leiden an Lebensstilerkrankungen, chronischen Entwicklungsstörungen, Vernachlässigungen, Depressionen und Suchterkrankungen. Entwicklungs- und Sozialpädiatrie setzt Maßnahmen zur Behandlung betroffener Kinder.


Kinderkrankheiten sehen heute anders aus


Die Krankheitsbilder und die Bedrohungen für die Entwicklung und Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen haben sich in den letzten Jahrzehnten fundamental verändert. Waren es früher hauptsächlich Infektions- und Mangelerkrankungen, welche das Gefährdungs- und Erkrankungsspektrum bestimmt haben, so sind es heute überwiegend Lebensstilerkrankungen (Haltung, Ernährung, Unruheverhalten, Stress, etc.), chronische Entwicklungsstörungen (Sprach- und Lernstörungen, Autismus, etc.) sowie psychosoziale Integrations- und Regulationsstörungen (Vernachlässigung, Bindungsstörungen, Depression, Suchtverhalten, etc.).


Nicht nur Erbanlagen ausschlaggebend für Gesundheit unserer Kinder

Dieser Wandel der Krankheitsbilder zeigt eindrucksvoll, dass nicht nur Erbanlagen oder angeborene Störungen das Heranwachsen eines Kindes bestimmen, sondern vor allem auch die soziale Umgebung und Herkunft sowie der prägende Lebensstil die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen unterstützen oder gefährden können. Entscheidend für die Gesundheit ist also einerseits das, was dem Baby als „Ausstattung“ konstitutionellgenetisch bzw. organisch mit auf den Weg gegeben wird (wie z.B. Allergieneigung, Grundzüge eines Charakters, Größe und Gewicht als Ausgangsmaß, Disposition, u.v.a.m.), und andererseits das, was durch psychosoziale Erfahrung und Erziehung gelernt und „daraus gemacht“ wird - wie das Leben und seine Bedingungen die Entwicklung des Kindes formen und gestalten.


Gesundheitsbeeinträchtigung durch negative Umweltbedingungen

Die jüngsten Ergebnisse der OECD-Studie 2009 wie auch der UNICEF-Studie 2010 zeigen in dramatischer Weise, dass es aktuell um die Gesundheit der österreichischen Kinder und Jugendlichen nicht zum Besten bestellt ist: 27% der 15-Jährigen rauchen regelmäßig, ca. 20% leiden an Übergewicht oder Essstörung, 17,5% haben eine vom Arzt diagnostizierte chronische Erkrankung oder Behinderung, 30% der Mädchen klagen über allgemein schlechtes Befinden (mehrmals pro Woche Kopfschmerz, Schlafstörungen, Nervosität, etc.), 90.000 Kinder in Österreich leben in manifester Armut, 240.000 in Armutsgefährdung, und: Mit 25% haben Österreichs Jugendliche die höchste Gewalterfahrungsrate in Europa.

Beide Studien reihen Österreichs Kinder und Jugendlichen – was ihre Gesundheit betrifft - unter allen europäischen Staaten an die letzte Stelle!
Diese erschreckenden Zahlen zeigen aber zugleich die Bedeutung der Umwelteinflüsse für die Gesundheit der Kinder auf. Denn keiner dieser jungen Menschen ist als 15-jähriger Gewalttäter oder 13-jährige Raucherin mit Essstörung geboren worden. Sie alle haben eine Entwicklungsgeschichte dahin und diese Entwicklungsgeschichte können wir beeinflussen.


Entwicklungs- und Sozialpädiatrie unterstützt betroffene kranke und bedrohte Kinder

Die „Entwicklungs- und Sozialpädiatrie“ befasst sich vorwiegend mit dem individuellen Werdegang von Kindern, den hierbei förderlichen oder gefährdenden Bedingungen der Umwelt. Sie setzt Maßnahmen, mit denen aus vorhandenen Talenten oder Handicaps eine entsprechende Lebensbewältigung und Lebenskompetenz erreicht werden kann. Sie
fokussiert auf die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Krankheiten, insbesondere solchen mit Entwicklungsstörungen oder Behinderung, und von Kindern aus belasteten Lebenssituationen mit psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten sowie auf die Versorgung von jenen, welche auf Grund einer hohen Risikokonstellation in ihrer Entwicklung bedroht sind. Die Arbeitsform ist daher immer unter Einbeziehung des familiären Umfeldes und in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen aus dem Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen sowie unter Ausschöpfung aller präventiven Möglichkeiten zu verstehen.


>Vavrik_Statement_Sozialpaediatrie.pdf  1,174.7 kB
Erstellt am 25.9.2010 | Zuletzt bearbeitet am 29.9.2010