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Statement Schmitzberger: Eltern-Kind-Vorsorge neu!
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Eltern-Kind-Vorsorge neu!

Österreichs Kinderärzte empfehlen, den bislang erfolgreichen Mutter/Kind-Pass mit neuen Untersuchungen zu erweitern und appellieren an die Eltern, diese kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen für ihre Kinder vermehrt in Anspruch zu nehmen



Im Zuge der aktuellen Evaluierung des Mutter/Kind-Passes durch das Ludwig Boltzmann Institut/Health Technology Assessment (LBI/HTA) und des gepIanten Konzeptes „Eltern-Kind-Vorsorge neu“ nimmt die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) im Rahmen ihrer 49. Jahrestagung in Villach Stellung zum derzeit in Österreich verwendeten Mutter/Kind-Pass-System:

Der österreichische Mutter/Kind-Pass (MKP), wie er derzeit verwendet wird, wurde im Jahr 1974 unter Gesundheitsministerin Leodolter eingeführt, und das sehr erfolgreich.
Unterstützt durch verbesserte soziale und hygienische Bedingungen und durch Fortschritte in der Kindermedizin konnte die damals hohe Säuglingssterblichkeit in Österreich im Laufe der Jahre von 24 Promille auf durchschnittlich etwa 4 Promille gesenkt werden. Durch die Möglichkeit, mit entsprechenden Untersuchungen physische, psychische und soziale Fehlentwicklungen bzw. Krankheiten möglichst frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu therapieren, konnten vielen Säuglingen und Kleinkindern ein Schicksal in Krankheit bzw. gesundheitlicher Beeinträchtigung erspart bleiben.

Dennoch steht für die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde außer Zweifel, dass auf Grund neuer Herausforderungen und geänderter Lebensbedingungen auch eine Anpassung, Ergänzung oder Neueinführung von Untersuchungen im Mutter/Kind-Pass erforderlich ist, dies trifft unter anderem auf die Bereiche Sprachentwicklung, Schulreife, soziale Entwicklung, Suchtverhalten, Ernährung und Bewegung zu.

Der Leiter der ÖGKJ-Arbeitsgruppe Mutter/Kind-Pass und Wiener Kinderarzt Dr. Rudolf Schmitzberger empfiehlt daher im Namen der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde nachstehende, notwendige Maßnahmen zur Verbesserung des derzeit bestehenden Mutter/Kind-Passes:


Einführung bzw. Ergänzung sozialpädiatrischer Beurteilungen

Vor allem was den sozialpädiatrischen Bereich betrifft, weisen Kinderärzte aufgrund steigender Fälle von Verwahrlosung und Missbrauch seit Jahren auf die Notwendigkeit von entsprechenden, ergänzenden Untersuchungen im MKP hin. Dies erfordert allerdings auch eine flächendeckende Versorgung mit entsprechend ausgebildeten Untersuchenden.

In diesem Zusammenhang hat die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde nun für heuer aus Eigeninitiative einen zweijährigen Lehrgang „Entwicklungs- und Sozialpädiatrie“ (gemeinsam mit der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit) entwickelt, um Kinderärzte verstärkt im Diagnostizieren und Therapieren von speziellen Entwicklungsstörungen (z.B. Störung des Sozialverhaltens und der Emotion, Bindungs- und Traumafolgestörungen, Suchtentwicklung, Ernährungsstörungen, Hochbegabung, etc.) auszubilden.


Verpflichtende Fünf-Jahres-Untersuchung

Bereits seit dem Jahr 2002 ermöglichen Österreichs Kinder- und Jugendfachärzte Kindern im Alter zwischen 58 und 62 Monaten eine sogenannte „Schuleinstiegsuntersuchung“. Wesentliche Bestandteile dieser neuen Vorsorgeuntersuchung sind neben einer körperlichen Untersuchung auch die Erfassung der kognitiven und der psychomotorischen Entwicklung des Kindes, aber auch die Untersuchung seiner psychosozialen Reife. Nur etwa 30 Prozent eines Jahrganges nehmen jedoch diese kostenlose, wichtige Vorsorgeuntersuchung wahr, daher fordert die ÖGKJ eine gesetzliche Verpflichtung, diese Untersuchung durchführen zu lassen. „Tatsache ist“, so Dr. Schmitzberger, „dass im ersten Schuljahr etwa 10 Prozent der Kinder eine rechtzeitige Förderung versäumen, wenn nicht vor der Einschulung eine entsprechende Schulreifeuntersuchung durchgeführt wird.“


Einführung einer generellen Pneumokokken – und Meningokokkenimpfung

Seit Jahren fordern Österreichs Kinderärzte eine fixe Verankerung der Pneumokokken- und Meningokokken-Impfung im Rahmen des MKP-Programmes im Österreichischen Impfplan. Diese Forderung wird, wie Bundesminister Stöger in Aussicht gestellt hat, im Jahr 2012 realisiert werden.


Ergänzung um eine Gesundenuntersuchung für Jugendliche

Um die derzeit herrschende Lücke in der Gesundheitsvorsorge für Österreichs Jugendliche zu schließen, fordert die ÖGKJ die Einführung einer Gesundenuntersuchung für Jugendliche. Die Mutter/Kind-Pass-Untersuchungen enden mit dem 5. Lebensjahr, für ältere Kinder und Jugendliche fehlen entsprechende Vorsorgeuntersuchungen, erst ab 18 Jahren werden wieder Gesundenuntersuchungen geboten. Der von Bundesministerin Rauch-Kallat eingeführte Jugendpass hat sich nie durchgesetzt und ist heute nahezu unbekannt.


Systematische Sammlung und Auswertung der im MKP erhobenen Daten

Die im Rahmen des MKP-Systems erfassten Daten sollten eine umfassende Beurteilung der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich ermöglichen und für einen internationalen Vergleich zur Verfügung stehen. Solche Daten wurden zum Beispiel in Deutschland durch eine Langzeitstudie des
Robert Koch-Instituts, der sogenannten KIGGS-Studie (= Kinder- und Jugendgesundheitssurvey) zusammengestellt, womit aussagekräftige Informationen zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in Deutschland möglich sind. Dies erleichtert wiederum die Einführung sinnvoller, langfristiger Präventionsmaßnahmen.

[pdf]Pressetext_Eltern_Kind_Vorsorge_Neu_Dr_Schmitzberger_nv (33.6 KB)
Erstellt am 4.10.2011 | Zuletzt bearbeitet am 5.10.2011