Ass. Prof. Dr. Helmut Ellemunter *) Medizinische Universität Innsbruck, Univ.-Klinik für Kinder und Jugendheilkunde
Leiter der AG Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung der ÖGKJ, Leiter des GPGE zertifizierten Ausbildungszentrums Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung F: Mein 2 Jahre alter Enkel leidet an Beschwerden der Bauchspeicheldrüse, vererbt von seiner Mutter (40), die auch Beschwerden hat. Was könnte das für Folgen haben und welche Behandlung soll erfolgen? A: Grundsätzlich erfüllt die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zwei Aufgaben: Sie ist wichtig für die Verdauung und sie steuert die Blutzuckerregulation. Neben vererbten Fehlfunktionen tritt als Erkrankung vor allem die akute und chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) auf. Die Symptome unterscheiden sich deutlich vom häufigeren Kinderbauchschmerz. Meist handelt es sich um wiederkehrende heftige Bauchschmerzen, die in den linken und rechten Unterbauch oder zum Rücken ausstrahlen und mit Übelkeit und Erbrechen, eventuell Fieber und gesteigerter Herzfrequenz, verbunden sind. In diesem Fall ist eine sofortige stationäre Behandlung nötig. Weiters muss bei akuter und chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung eine Abklärung bezüglich der Ursache erfolgen. Dazu ist unter anderem eine Blutuntersuchung notwendig, die die Funktion der Bauchspeicheldrüse und der Leber prüft. Weiters wird durch eine Stuhluntersuchung die Funktionseinschränkung der Bauchspeicheldrüse untersucht. Bildgebende Untersuchungen (Ultraschall, Magnetresonanz, Computertomographie) und die Darstellung der Pankreasgänge und der Gallenwege im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung sind wie eine molekulargenetische Diagnostik bei chronischen bzw. familiären Formen der Pankreatitis meist unumgänglich. Sie sagen, dass die Erkrankung bei ihrem Enkel vererbt ist. Jedoch lässt sich bei ca. 50% der Patienten mit vererbten Formen der Bauchspeicheldrüsenerkrankung die Mutation in einem der beiden typischen Gene nicht nachweisen. In jedem Falle muss eine akute Ursache oder eine zugrunde liegende Systemerkrankung wie z.B. Zystische Fibrose ausgeschlossen werden. Unabhängig von der Ursache kann es als Folge der Erkrankung zu Mangelzuständen, Verdauungsstörungen und Diabetes kommen. Eine gezielte Vitaminsubstitution sollte bei pankreasabhängigen Mangelzuständen erfolgen. Bei Hinweisen auf eine Verdauungsstörung sind Pankreasenzyme als Substitutionstherapie notwendig. Bei Auftreten eines Diabetes wird eine Therapie mit Insulin durchgeführt. In jedem Falle ist die regelmäßige Kontrolle an einer Kinderabteilung mit gastroenterologischem Schwerpunkt (Magendarmerkrankungen) nötig. *) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
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