Dr. Alfred Stiskal *)
FA für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien
F:
Ab welchem Alter ist es sinnvoll, die Körpertemperatur von Kindern mit einem Fieberthermometer unter der Achsel zu messen?
A: Die Messung in der Achselhöhle ist etwa ab dem Schulkindalter empfehlenswert. Zu bedenken ist allerdings, dass die Temperaturwerte etwas niedriger sind (ca. 0,5 Grad) als die maßgeblichen Körperkernwerte. Die Messdauer beträgt mit dem herkömmlichen Glasthermometer etwa 8-10 Minuten, mit einem Digitalthermometer entsprechend kürzer, wobei die Achselhöhle trocken sein muss und der Oberarm während der Messung – mindestens zweimal am Tag - am Körper anliegen sollte.
Grundsätzlich kann in jedem Alter axillär (Achsel) gemessen werden. Für Säuglinge und Kleinkinder empfiehlt sich jedoch eine rektale Messung (After), da man so die exaktesten Werte erhält (beim Säugling in Rückenlage, die Beine werden angehoben, beim Kleinkind in Bauchlage). Das Thermometer wird eingecremt oder angefeuchtet. Die Messdauer ist beim Glasfieberthermometer 3-5 Minuten, beim digitalen entsprechend der vorgeschlagenen Messdauer 20-60 Sekunden.
Ab einem Alter von 4-5 Jahren ist auch eine Messung des Fiebers im Mund mittels Mundfieberthermometer möglich, das Thermometer darf dabei nur mit den Lippen gehalten werden.
Gut bewährt hat sich auch die Ohrtemperaturmessung, die etwa ab dem 1.Lebensjahr möglich ist. Die Handhabung der Ohrthermometer gestaltet sich allerdings etwas schwierig und ist auch übungsabhängig. Dabei werden ebenfalls sogenannte Kerntemperaturen gemessen, zum Unterschied von axillären oder sublingualen Messungen.
Oral gemessene Temperaturen sind um ca. 0,3 Grad, axillär gemessene um ca. 0,5 Grad niedriger als die wirkliche Körperinnentemperatur.
Die Normalkörpertemperatur des Menschen liegt zwischen 36,2 und 37,2, bei Kindern zwischen 36,2 und 38 Grad, natürlich auch abhängig vom Alter des Kindes. Die Normaltemperaturwerte beim Schulkind und Jugendlichen nähern sich denen der Erwachsenen. 38-38,5 wird als mäßiges Fieber, über 38,5 als Fieber, über 39,5 als hohes und ab 40,5 Grad als sehr hohes Fieber bezeichnet.
Abgesehen von Temperaturerhöhungen durch Aufregung, körperliche Anstrengung oder auch üppige Mahlzeiten und Hitze ist Fieber immer auch Ausdruck einer Krankheit: Fieber ist ein natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers zur Bekämpfung von Krankheitserregern. Dabei sorgt das Temperaturregelzentrum im Gehirn dafür, dass die Körpertemperatur erhöht wird, da bei höheren Körpertemperaturen die körpereigene Abwehr besser arbeitet.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde