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Nägelkauen
M Dunitz Scheer Univ.-Prof. Dr. Marguerite Dunitz-Scheer *)
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz


F: Mein achtjähriger Sohn kaut ständig an seinen Fingernägeln und Fingerkuppen. Wie kann ich ihm diese Angewohnheit abgewöhnen?


A: Es ist falsch, zu glauben, dass Sie als Erwachsene Ihrem Sohn das Kauen an seinen Fingernägeln und Fingerkuppen abgewöhnen können. Ihr Kind gewöhnt sich diese Angewohnheit ab, wenn Ihr Kind es will, genau so, wie es sich dies angewöhnt hat. Aber:

Werten Sie das Nägelkauen Ihres Sohnes als Ausdruck einer gewissen Nervosität oder als Zeichen dafür, dass er unter Stress steht. Ihr Kind ist offensichtlich den Anforderungen seiner Umgebung nicht gewachsen beziehungsweise empfindet dies so und bewältigt den psychischen Druck, auch Angst, mit dem Nägelbeißen. Es ist seine Art Strategie, Stress-Situationen bewältigen zu können, denn mit dem Nägelkauen kann er die aufgebaute Spannung wieder abbauen.

Keinesfalls sollten Sie, bei einem sonst guten Allgemeinzustand Ihres Kindes, das Beißen an den Fingernägeln auf eine mögliche Mangelernährung zurückführen. Denn weder ein Vitaminmangel noch eine echte Ess-Störung würden sich nur lokal an den Fingerkuppen oder kurz gebissenen Fingernägeln zeigen.

Vermutlich werden Sie auch beobachten können, dass Ihr Kind in angenehmen, entspannten Situationen nicht oder kaum an seinen Nägeln beißt.

So rate ich Ihnen, allgemein die Lebensumstände Ihres Kindes zu überdenken und sich zu fragen, wann ihr Kind nervös wird und unter Druck gerät und wie sich derartige Situationen vermeiden lassen. Umarmen Sie Ihr Kind öfters, geben Sie ihm Möglichkeiten zur Entspannung, aber auch viel Gelegenheit für Bewegung und Sport.

*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
Erstellt am 13.1.2005 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008