Prim. Univ. Doz. Dr. Christian Huemer *) Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde LKH Bregenz
F: Kürzlich hörte ich von einer Krankheit, die "Morbus Bechterew" genannt wird. Was versteht man darunter und kann diese Krankheit auch schon Kinder betreffen? A: Die Erkrankung Morbus Bechterew im engeren Sinn existiert im Kindesalter nicht. Nach neuesten Kriterien gibt es allerdings eine diesem Krankheitsbild sehr ähnliche Form der kindlichen Arthritis: Anhaltende Gelenksentzündung von mehr als 6 Wochen Dauer, bevorzugter Befall der unteren Extremitäten und auch Schmerzen im Bereich von Sehnen (z.B. bei Ferse oder Knie) können die ersten Anzeichen dieser sogenannten "Enthesitis assoziierten Arthritis" sein. Allerdings kommt es bei diesem kindlichen Krankheitsbild - im Gegensatz zu Morbus Bechterew - nicht so früh zu Schmerzen im Bereich der Kreuzbeinregion. Morbus Bechterew und Enthesitis assoziierte Arthritis sind sehr wesentlich durch genetische Faktoren bestimmt und können daher in Familien gehäuft vorkommen. Ein Laborparameter, welcher auf dieses genetische Risiko hinweisen kann, ist das HLA-B27, dieser Blutbefund ist bei Patienten deutlich häufiger zu finden als bei gesunden Individuen (80% versus 30%). Kinder mit einer Enthesitis assoziierten Arthritis entwickeln diese Erkrankung typischerweise am Beginn der Jugendperiode und können - bei früher Diagnose - durchaus mit einer guten Prognose rechnen. Bei der Mehrheit der betroffenen Jugendlichen kann vollständige Heilung erzielt werden - dies ist vor allem auch ein Verdienst neuester medikamentöser und rehabilitativer Maßnahmen, die in Österreich an allen größeren Abteilungen für Kinder- und Jugendheilkunde angeboten werden können. *) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
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