Dr. Gerhard Grässl *) FA für Kinder- und Jugendheilkunde, Tirol
F: Welche Auswirkungen hat das bodennahe Ozon auf die Gesundheit der Kinder und wie schütze ich mein Kind am besten davor?
A: So schützend und lebensnotwenig Ozon in der obersten Luftschicht unserer Atmosphäre ist, so schädlich können sich zu hohe Ozonkonzentrationen in Bodennähe auf unsere Gesundheit auswirken. Besonders empfindlich auf Luftverschmutzung und im Besonderen auf Ozon reagieren Kinder. Aber warum? Der kindliche Organismus wächst und während des Wachstums sind die Organe besonders empfindlich auf schädigende Einflüsse. Bei Geburt ist die Lunge noch keineswegs voll entwickelt. Erst im Alter von 6 Jahren ist die volle Funktionalität der Lunge gegeben und darüber hinaus nimmt die Größe bis zum Ende der Pubertät enorm zu. Schon in Ruhe atmen Kinder 50% mehr Luft ein, bezogen auf Kilogramm Körpergewicht als Erwachsene. Zusätzlich halten sich Kinder speziell im Sommer mehr im Freien auf und bewegen sich viel mehr als Erwachsene. Bodennahes Ozon entsteht durch die Einwirkung von Sonnenstrahlen auf Kohlenwasserstoffe und Stickoxyde. Beides sind Hauptbestandteile der Autoabgase. Erhöhte Konzentrationen sind Jahres- und vor allem Tageszeitabhängig. In den Sommermonaten können Ozonkonzentrationen während der Mittagsstunden und am frühen Nachmittag gesundheitsschädigende Grenzwerte erreichen. Bei Erreichen der sogenannten „Vorwarnstufe" kommt es besonders bei sehr empfindlichen Menschen, wie eben Kindern, zu Irritation und Reizungen der Schleimhäute von Augen, Nase und Atemwegen. Dies äußert sich in tränender oder juckender Nase, geröteter Augenbindehaut oder Husten. Besonders empfindlich reagieren Kinder, die unter häufigen Entzündungen der Bronchien oder Asthma bronchiale leiden. Vor allem bei körperlicher Anstrengung kann es bei ihnen zum Auftreten von Husten oder Kurzatmigkeit bis hin zum Asthmaanfall kommen. Im Lungenfunktionstest zeigt sich eine Abnahme der Lungenfunktion. Bei Pollenallergikern kommt es durch die zusätzliche Irritation durch Ozon zu einer Verschlechterung der Symptome. Bei starkem Überschreiten der Grenzwerte kann es auch bei weniger empfindlichen Personen zum Auftreten oben genannter Symptome kommen. Neueste Studien weisen darauf hin, dass erhöhte Ozonbelastungen nicht nur zu einer unmittelbaren Reizung der Schleimhäute und Verschlechterung von Asthmasymptomen führen können. Ozon scheint, in Kombination mit anderen Luftschadstoffen und entsprechender genetischer Veranlagung, auch für die Entstehung von Asthma bronchiale bei Kindern mitverantwortlich zu sein. Die in Österreich vorkommenden maximalen Ozon-Konzentrationen liegen - abhängig von der Wetterlage – meist im Bereicht der Vorwarnstufe. In dieser Zeit sollten Kinder während den Mittagsstunden keine körperlich anstrengenden Tätigkeiten wie Fußballspielen oder Leichtathletik im Freien ausüben. Kommt es zum Auftreten von Husten oder Verschlechterung von Asthmasymptomen ist es ratsam eine Lungenfunktionsprüfung durchzuführen und die Kinder von speziell geschulten Kinderfachärzten untersuchen zu lassen. Ein Aufenthalt im Freien ohne körperliche Anstrengung ist jedoch völlig unbedenklich. Der wirksamste Schutz vor erhöhter Ozonbelastung wäre sicherlich eine Reduzierung der Luftverschmutzung, erreichbar wohl nur durch geeignete politische Maßnahmen. *) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
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