Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Müller *) Vorstand der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz
F: Können Geschwister oder andere Familienangehörige mit einem Schnupfen für meine drei Wochen alte Tochter eine Infektionsquelle darstellen? A: Ja, wenn das sogenannte „RS-Virus" Ursache für den Schnupfen ist. Die Ansteckung mit diesem Virus äußert sich bei Kindern nach dem ersten Lebensjahr und auch bei Erwachsen meist mit einem banalen Infekt und einer harmlosen Verkühlung. Anders bei Neugeborenen und Säuglingen in den ersten Lebensmonaten: Hier kann aufgrund des wenig ausgeprägten immunologischen Nestschutzes eine Ansteckung mit diesem Virus unter Umständen sogar lebensbedrohend sein. Auch wenn Sie Ihr Baby voll stillen, ist es nicht vor einer Ansteckung geschützt! Eine Erkrankung am RS-Virus verläuft in den ersten sechs Lebensmonaten eines Kindes meist sehr schwer. Das Virus verursacht eine Entzündung und Verlegung der kleinen Luftwege, wobei es zu akuter Atemnot mit Atempausen, quälendem Husten und keuchender Atmung kommt, daher ist eine stationäre Behandlung an einer Kinderklinik notwendig. Vor allem wenn es ältere Geschwister gibt, die in den Kindergarten oder zur Schule gehen, ist das Infektionsrisiko hoch. Das Virus kann durch das infizierte Nasensekret älterer Kinder allein durch Angreifen übertragen werden und das Baby anstecken. Leider verleiht eine bereits erfolgte Ansteckung mit dem RS-Virus keine bleibende Immunität und es gibt auch noch keine Impfung gegen das Virus. Daher empfehle ich für erkrankte Familienangehörige, einen Mundschutz zu tragen, die Hände gründlich zu waschen und mit Alkohol entsprechend zu desinfizieren. Vor allem während der Monate November bis April (mit Schwerpunkt Februar und März) rate ich Ihnen, mit Ihrem Baby große Menschenansammlungen zu meiden. Dadurch schützen Sie Ihr Baby am besten vor Kontakt mit verschnupften, hustenden und fiebernden Menschen. *) Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
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