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Schreien nach dem Aufwachen
Sabine Fiala Dr. Sabine Fiala-Preinsperger *)
FA für Kinder- und Jugendheilkunde (Kinder- und Jugendneuropsychiatrie), Psychotherapeutin, Mödling


F: Unmittelbar nach dem Aufwachen fängt mein neun Monate alter Sohn immer fürchterlich an zu schreien. Zwischendurch hält er die Luft an und wird dunkelrot im Gesicht. Ich habe jedes Mal Angst, dass er erstickt. Was soll ich tun?


A: Am allerwichtigsten ist zunächst, Ihr Kind während seines Schreiens zu beruhigen. Sprechen Sie langsam und ruhig mit Ihrem Sohn, halten Sie ihn im Arm und lassen Sie ihn Ihre eigene Aufregung über sein Schreien nicht spüren. Seien Sie außerdem schon vor dem Aufwachen des Kindes in seiner Nähe, damit es Sie gleich wahrnimmt, wenn es aufwacht.

Das Schreien Ihres Sohnes kann verschiedene Ursachen haben: Es gibt Kinder, die immer nach dem Aufwachen irritiert sind, und etwas quengeln oder gar schreien. Das heißt, diese Kinder haben das schon immer getan und sind auch in den Wachphasen sehr temperamentvoll. Anders verhält es sich, wenn das Schreien plötzlich auftritt. Da Ihr Sohn neun Monate alt ist, kann sein Schreien nämlich auch mit der sogenannten „Neun-Monats-Angst" zusammenhängen. Man spricht in diesem Alter auch vom „Fremdeln" der Kinder. In dieser Entwicklungsphase können die Kinder üblicherweise krabbeln oder robben, das heißt, sie können sich von ihrer Mutter wegbewegen. Dieses räumliche Entfernen von den Müttern kann wiederum zu verstärktem Anklammern führen. Wenn Ihr Sohn aufwacht, glaubt er sich allein und verlassen und schreit. Ich mache weiters die Erfahrung, dass besonders Babys Stress und Spannungen innerhalb der Familie und Sorgen und Ängste der Eltern stark aufnehmen und mit vermehrter Irritation ihrer Aufwachgewohnheiten reagieren.

Plötzliches Schreien nach dem Aufwachen kann aber auch damit zusammenhängen, dass das Kind sich bereits in seinem jungen Alter an verschiedene Bezugspersonen gewöhnen musste und es zu tatsächlichen Trennungen kam. Wenn das Kind nun nach dem Aufwachen allein ist, weiß es mit neun Monaten noch nicht, dass seine Mutter wieder kommt und schreit. Bei sehr starkem Weinen halten die Kinder mitunter zwischendurch sogar die Luft an und es kann zu einem sogenannten „Affektkrampf" kommen. Vor lauter Irritation, Angst und Wut „bleibt ihnen die Luft weg" und es kann sogar zu einer kurzen Ohnmacht kommen. Nehmen Sie auch in diesem Fall das Kind zu sich und beruhigen Sie es.

Sollte sich das Schreien Ihres Sohnes nach dem Aufwachen alleine durch Ihre Nähe und Beruhigung nicht legen, so empfehle ich Ihnen, eine Ambulanz für Schlaf- und Schreistörungen (z.B. in Mödling oder Wien), oder eine speziell dafür ausgebildete Kinderärztin (Kinderarzt) aufzusuchen. Weitere Informationen finden Sie unter www.gaimh.de.


*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
Erstellt am 2.2.2005 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008