Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Muntean *)
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz
F: Ich leide seit jungen Jahren an Thrombose. Sollte meine 14-jährige Tochter einmal die Pille nehmen wollen, besteht dann für sie durch eine genetische Vorbelastung ein höheres Risiko, Thrombose zu bekommen?
A: Ich muss Ihre Frage leider mit „Ja" beantworten. Thrombose und Gefäßerkrankungen sind Hauptursache von Erkrankungen im höheren Lebensalter und etwa zur Hälfte für die Sterblichkeit in unserer Gesellschaft verantwortlich.
Bei jungen Menschen haben Thrombosen zwar bei weitem nicht die Bedeutung wie im späteren Leben, aber selbst bei Kindern und Jugendlichen kann es ernsthafte Komplikationen durch Thrombosen geben.
Dies vor allem, wenn mehrere Faktoren zusammenspielen, etwa ernsthafte Erkrankungen mit Bettlägrigkeit, Flüssigkeitsverlust, Ruhigstellung einer Extremität und eine genetische Vorbelastung.
Was die genetische sogenannte "Disposition" betrifft, kann diese in bestimmten Fällen auch schon im Kindes- und Jugendalter zu Thrombosen führen. Im Blutgerinnungssystem wirken allgemein verschiedene Eiweißkörper zusammen, um zur Blutstillung zu führen. Viele fördern die Blutgerinnung, fehlen davon wichtige, führt dies zur bekannten Bluter-Krankheit. Andere wiederum regulieren bzw. hemmen die Blutgerinnung, fehlen diese, entsteht eine Thromboseneigung.
Derart schwerwiegende Störungen sind zwar selten, aber eine genetische Störung ist in unserer Bevölkerung verbreitet, die sogenannte „APC-Resistenz" (APC = Aktiviertes Protein C). Diese APC-Resistenz bedingt eine geringe Thromboseneigung und findet sich in fünf Prozent der Bevölkerung, bei Einnahme der "Pille" erhöht sich die Thromboseneigung aber um das 30-fache (!).
Das heißt, die APC-Resistenz stellt ein spezifisches Problem bei jungen Frauen dar. Ich empfehle, vor der ersten Verschreibung der Pille nachzuprüfen, ob – wie in Ihrem Fall - in der Familie eine Thromboseneigung besteht. Da die APC-Resistenz aufgrund der sonst geringen Thromboseneigung von jungen Menschen nicht unbedingt eine Vorgeschichte in der Familie haben muss, sollte die APC-Resistenz bei jungen Mädchen vor Verschreibung der Pille also in jedem Fall ausgeschlossen werden.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde