Univ.-Prof. Dr. Almuthe Hauer *)**) Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz
F: Unser 13 Monate alter Sohn leidet seit seiner Geburt unter starker Verstopfung. Weder Medikamente noch Hausmittel konnten bis jetzt helfen. Könnten seine Verdauungsstörungen damit zusammen hängen, dass bei seiner Geburt infiziertes Fruchtwasser in die Lunge kam? A: Bei Verstopfung (= zu seltenes/mühevolles Absetzen von zu festem Stuhl mit beeinträchtigtem Wohlbefinden) gilt allgemein: Je jünger das Kind und je schwieriger das Stuhlabsetzen, umso eher ist eine angeborene Störung denkbar, die eine entsprechende Abklärung in einer Kinderabteilung erfordert und je nach individuellem „Symptomkalender" umfassend sein kann (Ultraschall der Bauchorgane, Labordiagnostik, Röntgendarstellungen, Messung der Druckverhältnisse im Mastdarm mit Beurteilung der Schließmuskelfunktion). Laut internationaler Zahlen liegen aber bei etwa 90 Prozent der Fälle von Verstopfung keine organischen Ursachen zugrunde, sondern eher Faktoren des „Lebensstils" (relativ zu geringe Trinkmenge, zu wenig „wasserhaltige" Nahrung wie Früchte und Gemüse, zu wenig Bewegung). Allerdings kann eine Verstopfung auch Folge des oft schmerzhaft empfundenen Stuhlganges in der Erholungsphase nach akutem Brechdurchfall oder bei einer lokalen Entzündung der Schleimhaut sein. Es beginnt ein Teufelskreis: Das Kind verhält aktiv den zunehmend konsistenteren Stuhl und jeder neue Versuch des Stuhlabsetzens wird noch schmerzhafter. Therapeutisch ist beim „verstuhlten" Kind primär immer die konsequente Entleerung (eventuell mit Einlauf) notwendig. Hier empfiehlt sich die Gabe lokal wirksamer, die Schleimhaut schmerzbetäubender Zäpfchen 20 Minuten zuvor. Hilfreich ist auch, diese manchmal belastende Prozedur eher von Pflegepersonen als neuerlich von den Eltern durchführen zu lassen. Maßnahmen wie Ernährungsumstellung und Gabe langfristig den Stuhl weichmachender oder antibiotischer Medikamente sollten stets individuell angepasst und zu Beginn engmaschig kontrolliert werden. Nach unseren Erfahrungen führt eine regelmäßige geduldige Betreuung über sechs bis zwölf Monate in der Regel zum Erfolg und die Kinder brauchen dann keine Medikamente mehr. Infiziertes Fruchtwasser (Mekonium-Aspirations-Syndrom) ist als Ursache chronischer Verstopfung nicht beschrieben. *) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde **) Mitglied der Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
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