Primar Dr. Klaus Vavrik *) Sozialpädiatrisches Institut, Wien
F: Mein Kind ist hyperaktiv und leidet am Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS). Kann es sein, dass sich gewisse Nahrungsmittel negativ auf die Symptomatik von ADHS auswirken bzw. die Symptome verstärken? A: Es ist allgemein bekannt, dass verschiedene Nahrungsmittel (wie z.B. Schokolade, Kaffee, Zimt, etc.) im Stande sind, die Grundstimmung und das Aktivitätsniveau von Menschen zu beeinflussen. Dies kann bis hin zu sehr heftigen Reaktionen nach dem Konsum von Rauschmitteln oder nach Vergiftungen gehen. Ebenso ist bekannt, dass Menschen auf bestimmte Nahrungsmittel mit Unverträglichkeitssymptomen reagieren können. Beide Hypothesen werden in Zusammenhang mit dem Krankheitsbild ADHS immer wieder diskutiert. Bis dato gibt es aber keine ausreichend gesicherten Aussagen. Hyperaktives Verhalten als solches kann durch eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Gründe (Differentialdiagnosen) entstehen, weshalb sich dieses Störungsbild zumeist sehr schwierig nur einer Ursache zuordnen lässt. Eine Vielzahl von diätetischen Therapieversuchen konnte jedenfalls keinen sicheren Effekt erzielen, und in keiner größeren Studie hat sich ein Nutzen von Diäten nachweisen lassen. Als einfache Richtlinie kann gelten, dass jene Nahrungsmittel, welchen grundsätzlich eine Steigerung des Aktivitätsniveaus zugeschrieben werden, wie z. B. koffein- oder teeinhaltige Getränke, im Alltag weitgehend vermieden werden sollen, sowie auch eine Reduktion von Zucker im Einzelfall eine Verbesserung der Situation bewirken kann. Andererseits wird z. B. einem bestimmten Fischöl eine signifikante therapeutische Wirkung zugeschrieben. Dies ist aber vorerst noch im wissenschaftlichen Erprobungsstadium. Besondere diätetische Maßnahmen oder langfristige Veränderungen im Speiseplan Ihres Kindes sollten Sie jedenfalls mit ihrem Kinderarzt auf mögliche positive oder negative Effekte hin besprechen. Bei begleitenden allergischen Erkrankungen kann eine gezielte Diät unter ärztlicher Kontrolle für die Gesamtsituation jedenfalls von großem Nutzen sein. *) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
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