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Antibiotika bei Mittelohrentzündung
Grubbauer Univ.-Prof. Dr. Hans Michael Grubbauer *)
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz


F: Meine fünfjährige Tochter erkrankte schon öfters an Mittelohrentzündung. Wann ist es notwendig, diese mit Antibiotika zu behandeln?


A: Die akute Mittelohrentzündung stellt eine der häufigsten Indikationen für eine antibiotische Therapie in der kinderärztlichen Praxis dar.

Zur richtigen Diagnose gehören ein plötzlicher Beginn meist im Rahmen eines Infektes der oberen Luftwege mit Ohrenschmerzen, Fieber und entzündliche Veränderungen des Trommelfelles und eine schlechtere Beweglichkeit des Trommelfelles mit Flüssigkeit in der Paukenhöhle. Bei einem kleinen Kind kann durch einen verlegten Gehörgang ("Ohrenschmalz") und dadurch schlechte Sicht in den Gehörgang die Diagnose oft sehr schwer sein.

Wird eine Mittelohrentzündung diagnostiziert, so ist vor allem bei einem Kind über zwei Jahren eine sofortige antibiotische Therapie meist nicht notwendig. Auch ohne Antibiotika verschwinden Bakterien in etwa 50 % aus dem Mittelohr und in 2/3 der Fälle kommt es nach 4-5 Tagen zu einer Heilung.

Die anfängliche Behandlung erfolgt symptomatisch mit einem schmerzstillenden und fiebersenkenden Zäpfchen und abschwellenden Nasentropfen. Die Eltern müssen jedoch über dieses abwartende Verhalten informiert sein, das Kind gut beobachten und eine regelmäßige Rückmeldung beim behandelnden Kinderarzt machen.

Bessern sich die Beschwerden innerhalb von 48 Stunden, so ist eine antibiotische Therapie nicht notwendig. Wird eine antibiotische Therapie notwendig, so sollte sie nicht zu lange durchgeführt werden (durchschnittliche Behandlungsdauer 5-7 Tage).
Bei kleineren Kindern (sechs Monate bis zwei Jahre) kann bei einer Ohrenentzündung ebenfalls mit der antibiotischen Therapie 24 Stunden zugewartet werden und zuerst eine symptomatische Therapie eingeleitet werden.

Bei häufiger Mittelohrentzündung sollte präventiv eine Pneumokokken- und Grippeimpfung durchgeführt werden. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen im Haushalt, vorzeitiges Abstillen, Tagesbetreuung in Kinderkrippen, Langzeitschnuller und anatomische Anomalien.

*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
Erstellt am 12.2.2006 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008