Univ.-Prof. Dr. Josef Schwingshandl *)
FA für Kinder- und Jugendheilkunde, Leibnitz
F: Die sechs Monate alte Tochter meiner Freundin leidet unter Baby-Akne. Wie kann ich diese bei meinem Kind, das ich im Mai erwarte, vermeiden?
A: Die sogenannte „Baby Akne", auch bezeichnet als Neugeborenen - Exanthem, tritt im Regelfall ab dem 2. Lebenstag auf. Es entwickeln sich rote Papeln (Wimmerl) und gelbliche Pusteln (Bläschen) vor allem im Gesicht, aber auch an Stamm und Gliedmaßen. Fußsohlen und Handflächen bleiben immer ausgespart. Die Hautveränderungen ähneln der echten Akne, die vor allem in der Pubertät auftritt - deshalb auch der Name „Baby Akne".
Etwa 70% der Neugeborenen sind davon betroffen, somit handelt es sich nicht unbedingt um eine Erkrankung, sondern um ein physiologisches Phänomen. Die Baby Akne bildet sich nach einigen Tagen spontan zurück, wobei jedoch auch noch im weiteren Verlauf des 1. Lebensmonats Schübe beobachtet werden können. Spezifische Therapie ist keine erforderlich, die üblichen Pflegemaßnahmen für die Säuglingshaut sind ausreichend.
Bei der Hauterkrankung der 6 Monate alten Tochter Ihrer Freundin handelt es sich sicher nicht mehr um Baby Akne, sondern wahrscheinlich um ein atopisches Ekzem, auch atopische Dermatitis oder Neurodermitits genannt. Das atopische Ekzem tritt nur bei entsprechender genetischer Veranlagung auf, meist sind auch bei anderen Familienmitgliedern Erkrankungen des atopischen Formenkreises (Allergien, Heuschnupfen, Asthma) vorhanden. Erkrankungsbeginn ist meist im 3. Lebensmonat. Die Häufigkeit des atopischen Ekzems ist in den letzten 40 Jahren von etwa 5% auf knapp 18% gestiegen. In der Mehrzahl der Fälle bilden sich die Hautveränderungen in den ersten Lebensjahren wieder zurück.
Nun zu Ihrer konkreten Frage: Sollte es in Ihrer Familie (bei Ihnen, dem Vater des Kindes oder Kindern von Ihnen) atopische Dermatitis oder andere Erkrankungen des atopischen Formenkreises geben, bestünde für das Kind ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines atopischen Ekzems. In diesem Fall kann durch folgende Maßnahmen das Risiko verringert bzw. der Verlauf positiv beeinflusst werden:
Im ersten Lebensjahr Ernährung nur mit Muttermilch bzw. sogenannten hypoallergenen Nahrungen, Einführung von Beikost (Gemüse, Obst) etc. erst ab dem 6. Lebensmonat, Vermeidung von Zitrusfrüchten, Nüssen, Ei, Fisch und Kuhmilch im ersten Lebensjahr. Daneben sollten auch allgemeine Maßnahmen wie nicht zu häufiges Baden, Verwendung von Kleidung aus Baumwolle, Vermeidung von Überwärmung etc. zur Anwendung kommen.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde