OA Dr. Elke Fröhlich-Reiterer *)
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz
F:
Obwohl meine 14 Monate alte Tochter sehr viel trinkt, ist sie ständig durstig. Kann es sein, dass sie schon in diesem Alter an Diabetes leidet?
A: Polydipsie (vermehrtes Trinken), Polyurie (vermehrtes Harnlassen) und Gewichtsverlust sind die klassischen Symptome der Erstmanifestation eines Diabetes mellitus Typ 1 im Kindesalter.
Man muss aber unterscheiden, ob das Kind immer schon dazu geneigt hat, viel zu trinken und somit sein Trinkverhalten nicht geändert hat, oder ob das Kind in den letzten Wochen/Monaten auffällig mehr trinkt.
Prinzipiell kann ein Diabetes mellitus Typ 1 auch schon bei Kleinkindern und sehr selten auch bei Säuglingen auftreten. Die Zahl der neu an Diabetes erkrankten Kinder hat weltweit und auch in Österreich in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Zunahme der Neuerkrankungen wurde in allen Altersgruppen beobachtet, ist aber bei den 0-4-Jährigen am stärksten.
Beim Diabetes mellitus Typ 1 werden Antikörper gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet, was zu einem Verlust dieser Zellen und zu einem Insulinmangel führt. Ohne Insulin kann der Körper den durch die Nahrung aufgenommenen Zucker nicht verarbeiten. Die Folge sind hoher Zuckergehalt im Blut und daraus folgend vermehrtes Ausscheiden von Zucker im Harn, vermehrtes Trinken und Gewichtsverlust.
Die Ursache, warum ein Kind an Diabetes erkrankt, ist derzeit noch nicht ganz geklärt. Man nimmt an, dass das Zusammenspiel von gewissen Vererbungsanlagen, Virusinfektion und Umweltfaktoren an der Krankheitsentstehung beteiligt ist.
Falls sich bei Ihrem Kind das Trinkverhalten in den letzten Wochen geändert hat, es auffällig mehr trinkt, häufig Harn lässt, eventuell auch an Gewicht verloren hat und sehr müde ist, sollten Sie Ihren Kinderfacharzt aufsuchen, um den Blutzucker und die Zuckerausscheidung im Harn messen zu lassen. Wird die Diagnose eines Diabetes gestellt, sollte das Kind für die weitere Betreuung an ein Kinderzentrum mit speziell in Diabetes ausgebildeten Kinderärzten und Diabetesberatern zugewiesen werden.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde