Dr. Alfred Stiskal *)
FA für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien
F: Wie sieht die ideale Ernährung aus, wenn mein 4 Jahre alter Sohn an einem Magen-Darm-Virus mit Durchfall erkranken sollte?
A: Als Erreger akut entzündlicher Darmerkrankungen kommen Viren (Rota, Corona, Adeno, Norwalk, ect.), Bakterien (Salmonellen, Shigellen, Campylobacter) und Protozoen (z.B. Lamblien) in Frage. In unseren Regionen sind Rotaviren die häufigsten Erreger akuter Magen-Darminfektionen, sie befallen alle Altersgruppen und sind hochinfektiös.
Die Symptomatik und der Krankheitsverlauf werden durch die biologischen Eigenarten des Erregers und das Alter des Kindes bestimmt. Bei einem Vierjährigen werden ein dramatischer Flüssigkeitsverlust und damit die Elektrolytentgleisung seltener als bei einem jungen Säugling zu beobachten sein.
Die Erkrankung beginnt meist mit Bauchschmerzen, fehlendem Appetit, Erbrechen und breiigen bis wässrigen Durchfällen, die sauer oder faulig riechende Stühle enthalten, auch unverdaute Nahrungsreste. Bakterielle Darminfektionen haben oft blutige Stühle, Rotaviren verursachen eher schaumige Gärungsstühle. Fieber kann, muss aber nicht auftreten.
Je jünger der Patient, desto gravierender können sich Wasser- und Elektrolytverluste auswirken, es droht die Gefahr einer „Toxikose", die sich beim Säugling durch einen schwachen Saugreflex, eine eingesunkene Fontanelle, Müdigkeit, Lethargie, eingeschränkte Aktivität und vertiefte Atmung äußert. Auch bei einem Vierjährigen zeigt sich der gravierende Flüssigkeits-Elektrolytverlust mit Lethargie, Reduktion der Bewegungsfreudigkeit, Müdigkeit und einer reduzierten Ansprechbarkeit. Bei diesen Alarmzeichen sollten Sie sofort an eine Kinderabteilung fahren. Oft ist dann eine Elektrolytinfusion erforderlich, die rasch Abhilfe schafft.
Leichte Flüssigkeitsverluste (Blässe, verminderte Hautspannung, die Schleimhäute eher trocken, Antriebsverlust, Reduktion der Urinmenge, Gewichtsverlust unter 5%) können durchaus zu Hause behandelt werden. Vordringlich ist dabei Flüssigkeitszufuhr, am besten mit einer fertigen Elektrolytlösung, z.B. Normolyt (muss kalt ! verabreicht werden), oder auch ORS 200 oder RES 55.
Diese sogenannte „Teepause" soll nicht länger als 6-8 Stunden dauern. Danach geht man je nach Alter vor. Grundprinzip ist dabei, im Wesentlichen die vor dem Durchfall gegebene Nahrung wieder einzuführen, allerdings mit gewissen Einschränkungen – insbesondere gesüßte und sehr fette Speisen sind einzuschränken. Ihr Kinderarzt hat für Sie genauere Leitlinien verfügbar.
Zusätzliche Medikamente sind nicht erforderlich. Im Vordergrund steht der Flüssigkeitsersatz – dann haben die meisten Durchfallerkrankungen auch eine gute Prognose!
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde