Prim. Univ.-Doz. Dr. Burkhard Simma *) Abt. für Kinder- und Jugendheilkunde, LKH Feldkirch
F: Ab wann spricht man von einer Frühgeburt und was sind die Hauptprobleme dabei? A: Frühgeborene sind Kinder, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Sehr kleine Frühgeborene haben ein Geburtsgewicht unter 1500g, extrem kleine Frühgeborene wiegen weniger als 1000g. Die Kindermedizin hat in diesem Gebiet in den letzten 15 Jahren beeindruckende Fortschritte gemacht. Die Grenze der Lebensfähigkeit liegt jetzt bei circa 23 vollendeten Schwangerschaftswochen oder ungefähr 400-500g Geburtsgewicht. Diese kleinen Babys überleben nur selten (~30-50%), die Prognose bessert sich jedoch mit zunehmendem Alter dramatisch. Eine Intensivmedizin wie Beatmung und dgl. ist – wenn notwendig - dann auf jeden Fall gerechtfertigt. Allerdings sind mache extreme „Frühchen" selbst ohne derartige Intensivmaßnahmen lebensfähig. Bei frühgeborenen Kindern sind alle Organe unreif. So stehen unmittelbar nach der Geburt in der Regel Probleme mit der Atmung im Vordergrund, die eine künstliche Atemhilfe notwendig machen. Zusätzlich kann ein Medikament verabreicht werden, das die Lunge „öffnet", wodurch die Kinder besser Luft bekommen. Infektionen sind die häufigste Ursache dafür, dass diese Kinder auf die Welt „wollen" bzw. müssen. Infektionen stellen auch in den weiteren ersten Lebenswochen ein großes Problem dar, da Frühgeborene keine ausreichende körpereigene Abwehr haben (dünne/verletzliche Haut, wenig Abwehrstoffe). Die Infektion ist in der Regel eine Blutvergiftung (Sepsis), kann aber auch nur bestimmte Organe betreffen (Magen-Darm: nekrotisierende Entercolitis; Hirnhäute: Meningitis; Lunge: Pneumonie…). Die langfristige Prognose hängt sehr davon ab, wie stark das Gehirn von den Ereignissen mit betroffen wurde. Die Einflüsse auf das Gehirn setzen aber schon in der Schwangerschaft ein und können danach anhalten. Die Betreuung von Frühgeborenen beginnt also schon lange vor der Geburt in Zusammenarbeit mit den Geburtshelfern und anderen Spezialisten, man nennt dies „Perinatalmedizin". Weiters sollen Frühgeborene mit weniger als 1500g Geburtsgewicht an einem Perinatalzentrum entbunden werden, das alle notwendigen Voraussetzungen für die Betreuung dieser „Risiko-Kinder" hat. Damit wird die Überlebenswahrscheinlichkeit dieser sehr kleinen Frühgeborenen in unserem Land stark verbessert. *) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
|