OA Dr. Klaus Kapelari *)
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Innsbruck
F: Ab wann spricht man von kleinwüchsigen Kindern und kann Kleinwuchs auch behandelt werden?
A: Von einem Kleinwuchs spricht man, wenn ein Kind mit seiner aktuellen Körpergröße unterhalb der 3. Perzentile bezogen auf die Referenzkurven der Normalbevölkerung (d.h. 97% sind größer) gelegen ist.
Zusätzlich zu einer eingehenden Abklärung durch einen auf dem Gebiet der Pädiatrischen Endokrinologie ausgebildeten Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde sollten Kinder dann einer genauen Untersuchung zugeführt werden, wenn die auf das vorangegangene Jahr berechnete Wachstumsgeschwindigkeit zu niedrig ist (d.h. Wachstumsgeschwindigkeit < 25. Perzentile) und die Kinder auf ihrer Wachstumsperzentile nach unten abfallen.
Abklärungsbedürftig sind auch jene Kinder, die im Perzentilenverlauf deutlich unterhalb ihres, von der Elterngröße vorgegebenen, so genannten genetischen Zielbereiches wachsen.
Die Diagnose eines Wachstumshormonmangels erfolgt zusätzlich zur exakten klinischen Untersuchung und Erhebung einer detaillierten Familienanamnese und Vorgeschichte des Patienten durch Bestimmung der basalen Wachstumsfaktoren und des Knochenalters anhand eines Handskelettröntgen. Vor Beginn einer Therapie mit Wachstumshormon muss die Diagnose durch zwei Wachstumshormon-Stimulationstests, die eine zu geringe Ausschüttung des endogenen Wachstumshormons bestätigen, gesichert werden. Darüber hinaus ist vor Beginn der Therapie eine bildgebende Darstellung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zu empfehlen.
Die Therapie mit Wachstumshormon ist in Österreich in folgenden Indikationen nur für bestimmte Erkrankungen zugelassen (z.B. Unterfunktion der Hirnanhangdrüse, Minderwuchs bei Nierenerkrankung).
Der optimale Zeitpunkt für einen Therapiebeginn wird vom endokrinologisch erfahrenen Facharzt festgelegt. Bei Kindern mit hypophysärem Minderwuchs liegt er etwa im 5. Lebensjahr, er kann jedoch bei annäherndem Wachstumsstillstand auch bereits früher erforderlich sein.
Die Dauer der Therapie wird meist bis zum fast vollständigen Verschluss der Wachstumsfugen bzw. bis zu einem Absinken der jährlichen Wachstumsgeschwindigkeit auf einen Wert < 2cm/Jahr empfohlen. Bei Kindern mit vollständigem Fehlen des Wachstumshormons sollte im Erwachsenenalter eine neuerliche Austestung und im Falle einer Bestätigung eine lebenslange Therapie mit Wachstumshormon erfolgen.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde