OA Dr. Brigitte Schroth *) St. Anna Kinderspital Wien
F: Aufgrund eines erweiterten Nierenbeckens musste meine drei Monate alte Tochter schon mehrmals geröngt werden. Sind Röntgenstrahlen in diesem Alter schädlich? A: Eine Erweiterung eines Nierenbeckens bei einem Säugling kommt relativ häufig vor, die Diagnose erfolgt sonographisch, d.h. mit einer Ultraschalluntersuchung während der Schwangerschaft oder nach der Geburt. Ist die Ausweitung nur gering bis mäßig ausgeprägt, kann man sich damit begnügen, durch regelmäßige Ultraschallkontrollen (das sind keine Röntgenuntersuchungen!) die Entwicklung der Ausweitung zu überprüfen. Diese Kontrollen sind deshalb notwendig, da es mit der Nierenreifung und dem Körperwachstum besonders im 1.Lebensjahr zu einer Verschlechterung des Befundes kommen kann. Manchmal ist aber der 1. Ultraschallbefund nach der Geburt so, dass im Alter von ca. 6 Wochen mit einer Isotopenuntersuchung (Nierenszintigraphie) und eventuell auch Magnetresonanzuntersuchung die Funktion der betroffenen Niere und der Grad der Harnabflussbehinderung festgestellt werden muss. Da auch ein Rückfluss von Harn aus der Blase in die Niere eine Nierenbeckenerweiterung verursachen kann, muss oft auch ein Blasenröntgen durchgeführt werden. Art und Häufigkeit der weiteren Kontrollen hängen von den so gewonnenen Befunden ab. Alle erwähnten Untersuchungen - vom Blasenröntgen abgesehen - sind keine Röntgenuntersuchungen. Ich vermute, dass bei Ihrer Tochter Ultraschalluntersuchungen durchgeführt worden sind, die nicht schädlich und beliebig oft wiederholbar sind. Röntgenuntersuchungen sind für Säuglinge nicht schädlicher als für ältere Kinder. Sie können auch im Kindesalter oft nicht vermieden werden, sollen aber immer streng indiziert werden, obwohl die Stärke der Bestrahlung bei Röntgenaufnahmen häufig überschätzt wird. Bei dem von Ihnen angesprochenen Problem der Nierenbeckenerweiterung jedenfalls sind Röntgenuntersuchungen - abgesehen von der Refluxdiagnostik - praktisch nie notwendig. *) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
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