Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl *) Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz
F: Ich bin unsicher, ob ich für mein zwei Wochen altes Baby einen Schnuller verwenden soll. Gibt es aus medizinischer Sicht Einwände? A: Aus kinderärztlicher Sicht besteht gegen die Verwendung eines Beruhigungsschnullers kein Einwand. Es gibt neuerdings sogar Hinweise, dass der Schnuller bei richtiger Verwendung das Risiko des plötzlichen Säuglingstodes (SIDS) reduzieren kann. Außerdem verringern Sie damit das Risiko, dass Ihr Baby am Daumen lutscht. Wenn Sie Ihrem Baby einen Schnuller geben, sollten Sie aber ein paar Dinge beachten. Verwenden Sie am besten einen Markenschnuller, der mundgerecht geformt ist und keine schädlichen Inhaltsstoffe (z.B. Weichmacher) hat. Benützen Sie wegen der Strangulationsgefahr keine Bänder oder andere Fixierhilfen. Der Schnuller sollte einmal am Tag in heißem Wasser desinfiziert werden. Wenn das Material porös wird, sollten Sie einen neuen Schnuller besorgen. Der Schnuller gehört dem Kind. Erwachsene sollten ihn (z.B. wenn er auf den Boden gefallen ist) nicht in den Mund nehmen, weil dadurch Keime übertragen werden können. Besonders wichtig ist, dass der Schnuller erst dann zum Einsatz kommt, wenn das Stillen an der Mutterbrust schon gut etabliert ist, also etwa im Alter von 3-4 Wochen. Früherer Einsatz könnte Ihrem Baby die „Lust auf die Brust" verderben. Bei Verwendung eines Markenschnullers und richtigem Einsatz ist das Risiko für Zahnentwicklungsstörungen und Ohrenentzündungen (häufig verwendete Argumente gegen den Schnullergebrauch) sehr gering. Nach dem ersten Lebensjahr sollten Sie aber beginnen, Ihrem Baby den Schnuller allmählich wieder abzugewöhnen, spätestens im Alter von drei Jahren sollte Ihr Kind „schnullerfrei" sein. *) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
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