Dr. Johann Sommer *) Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Certificate in Travel Health, Wien
F: Wir unternehmen mit unseren beiden Kindern (9 und 11 Jahre) im Sommer eine Kreuzfahrt entlang der norwegischen Küste. Was können wir gegen eine womöglich bei den Kindern auftretende Seekrankheit tun? A: Aus dem Umstand, dass Sie eine Seereise planen, schließe ich, dass Bewegungskrankheit bei Ihren Kindern kein bekanntes Problem darstellt. (Kinder, die schon beim Fahren im Auto an Übelkeit und Erbrechen leiden, sollten von einer derartigen Herausforderung Abstand nehmen.) So ist auch nicht zu erwarten, dass bei normalem Wetter und Seegang eine Seekrankheit auftreten wird. Sollte Ihr Schiff von windigem Wetter und hohen Wellen betroffen sein, empfehlen sich folgende Maßnahmen: Nehmen Sie einen Platz in der Mitte des Schiffes ein, bewegen Sie sich mit dem Schiff mit, bleiben Sie locker, stemmen Sie sich nicht gegen die Wellen, das kann für die Kinder ein durchaus lustiges Unternehmen sein. Schauen Sie mit Ihren Kindern auf den Horizont, um dem komplexen System des Gleichgewichtes einen fixen Anhaltspunkt zu geben. Nicht zu empfehlen ist Ablenkung mittels Zurückziehen in die Kabine und Lesen eines Buches, Fernsehen etc., der Körper beschäftigt sich unbewusst mit den Irritationen des Gleichgewichtes und kommt gegebenenfalls nicht damit zurecht. Bei bekannter Reisekrankheit sollte eine halbe Stunde vor der Belastung eine medikamentöse Prophylaxe begonnen werden, wobei sich für Kinder der Wirkstoff „Dimenhydrinat" eignet, der in verschiedenen Präparaten angeboten wird. Hier wird bei Ihren bereits größeren Kindern ein Kaugummi attraktiv sein, zum Beispiel Travel Gum 10mg bis maximal vier Mal pro Tag. Für kleinere Kinder bieten sich auch Zäpfchen an, zum Beisiel Emedyl 50 mg Supp. oder Vertirosan 50 mg Supp., diese werden vom Kinderarzt nach Körpergewicht dosiert. Schöne Reise ! Johann.sommer@reisemedizin.at *) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
|