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Legasthenie
Vavrik Primar Dr. Klaus Vavrik *)
Sozialpädiatrisches Institut, Wien


F: Unsere Enkelin besucht die 4. Klasse Volksschule. In Mathematik ist sie Klassenbeste, nur leider ist sie Legasthenikerin. Darf sie trotzdem das Gymnasium besuchen?


A: Auch wenn Sie Ihre Frage an mich als Kinderarzt gestellt haben, so ist sie nicht alleine aus medizinischer Sicht zu beantworten, sondern vor allem aus dem Grenzgebiet des Fachwissens von Pädagogik und Psychologie, sowie aus der Sicht der schulbehördlichen Möglichkeiten.

Grundsätzlich ist die „Lese-Rechtschreib-Schwäche" (wie die Legasthenie im deutschen Sprachgebrauch genannt wird) ein Problem, welches nicht kausal heilbar ist, aber durch angemessene Förderung oder Training verbessert werden kann. Ganz entscheidend hierfür ist eine gute Differenzialdiagnostik zu Beginn – in welche jedenfalls eine kinderneurologische und eine klinisch psychologische Begutachtung involviert sein sollten - , da der Behandlungs- oder Förderplan wesentlich von der vermutlichen Ursache abhängt. Weiters können viele Berufsgruppen wie PädagogInnen, PsychologInnen/PsychotherapeutInnen, ErgotherapeutInnen, LogopädInnen, Legasthenie-TrainerInnen, u.a. hilfreich sein, wenn sie sich einerseits spezifisch fortgebildet haben und andererseits mit ihrem methodischen Angebot der oft sehr unterschiedlichen Problemlage gerecht werden können. Letztendlich gilt es für das betroffene Kind, mit dieser Besonderheit leben und umgehen zu lernen und ein dennoch positives Selbstbild zu entwickeln.

Ob nun Ihre Enkelin das Gymnasium besuchen wird können, hängt sowohl von den Aufnahmekriterien des jeweiligen Gymnasiums, von der Unterstützung, welche sie dabei innerhalb und außerhalb der Schule erhält, wie auch von den schulbehördlichen Vorgaben ab. Wertvolle Informationen über die von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Rechtssituation („Legasthenie-Richtlinie") und über die verschiedenen Schulangebote hierüber kann Ihnen z.B. der Österreichische Bundesverband für Legasthenie (http://www.legasthenie.org) geben.

*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
Erstellt am 14.3.2007 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008