Dr. Maria Holzer *) FÄ für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien
F: Meine Tochter (5) wacht nachts manchmal mit gellendem Schreien auf, ist völlig verwirrt und nicht ansprechbar. Wie kann ich ihr helfen? A: Ihre Schilderung ist typisch für einen sogenannten Pavor nocturnus, auch Nachtschreck, nächtliches Angsterschrecken oder Nachtangst genannt (lateinisch pavor = Furcht, Schrecken). Dieser tritt in der Regel ein bis drei Stunden nach dem Einschlafen auf - also am späten Abend. Dabei sind die Kinder meist panisch erregt, schauen mit offenen Augen mit weiten Pupillen ängstlich oder wütend oder verwirrt um sich, auch heftiges Atmen und Schwitzen kommen vor, äußern oft Ängste durch gellendes Schreien oder Wimmern, in Gesten und verwirrten Worten, stellen sich hin oder laufen herum ("Schlafwandeln" als Teilsymptom des Pavor), sind nicht ansprechbar oder geben allenfalls verwirrte Antworten. Dieser Zustand dauert etwa 5 bis 15 Minuten, danach kann das Kind sich meist plötzlich - manchmal auch allmählich - wieder orientieren, ist wieder entspannt und umgänglich und kann sich an angstvolle Erlebnisse nicht erinnern, schläft auch rasch wieder ein. Der Angstschrecken während des Schlafens ist keine Verhaltensauffälligkeit und hat nichts mit schwerwiegenden psychischen Erlebnissen oder einem besonderen Erziehungsstil der Eltern zu tun. Er tritt gehäuft im Alter von 2-5 Jahren auf. Nach ereignisreichen Tagen kann die Verarbeitung von übermäßigen Reizen Mühe bereiten, sie werden deshalb erst im Schlaf verarbeitet. Ein Teil der Kinder neigt zum Schlafwandeln. Da sich die Kinder in dieser Situation nicht wecken lassen, sollte dies auch nicht versucht werden. Sie sollten nur vor Verletzungen geschützt werden. Vom Angstschrecken zu unterscheiden sind Angstträume, aus denen die Kinder verängstigt aufwachen, aber sich häufig nicht an das Geträumte erinnern können. Eltern sollten nicht beharrlich versuchen, nach dem Traum zu fragen, weil sie die Kinder damit eventuell noch mehr verängstigen. Mein Sohn konnte mir erst im Alter von 15 Jahren von dem schrecklichen Traum erzählen, den er immer wieder geträumt hat. *) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
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