OA Dr. Harald Kenzian *)
Leiter des Kinderschlaflabors, LKH Villach
Frage: Meine Enkelin (3 Monate) erhielt kürzlich eine Sechsfach-Impfung. Ich habe gehört, dass so eine Impfung das Risiko für den plötzlichen Säuglingstod erhöht, stimmt das?
A: Es herrscht in der Tat ein reger Gedankenaustausch im Internet, aber auch auf medizinisch-wissenschaftlichen Kongressen über die bis heute unklaren Ursachen des Plötzlichen Säuglingstodes (SIDS). Auch Impfungen werden immer wieder beschuldigt, eine mögliche Ursache zu sein.
Wenn man die oftmaligen Impftermine, die im ersten Lebensjahr nötig sind, ansieht, verwundert es nicht, dass häufig eine zeitliche Nähe zu einem SIDS-Geschehen zu finden ist. In den bislang vorliegenden relevanten Studien konnte jedoch nicht gezeigt werden, dass Impfen dieses dramatische Ereignis vermehrt hervorruft.
Es gibt im Gegenteil für einige Impfungen sogar Hinweise, dass bei geimpften Kindern ein SIDS-Geschehen seltener auftritt. Gerade die Sechsfachimpfung verhindert Erkrankungen, die noch vor nicht allzu langer Zeit ein Schrecken jeder Kinderintensivstation waren und die seit ihrer Einführung so gut wie ausgestorben sind.
Viel wichtiger ist es, die gesicherten Risikofaktoren für SIDS zu meiden, diese sind: keine Bauchlage im Schlaf, keine Nikotinbelastung vor und nach der Geburt, keine Überwärmung des Kindes, sicheres Bett (kein Kissen, keine großen Kuscheltiere, Babyschlafsack empfehlenswert) und besondere Vorsicht bei fieberhaften Infekten des Atemtraktes.
PS: in den nächsten Tagen sehe ich mein kleines Patenkind zur 12 Wochen Mutter-Kind-Passuntersuchung und wir werden sicher die notwendigen Impfungen vornehmen, weil einfach nach heutigem Wissen die positiven Aspekte bei weitem überwiegen.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde