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Zungenpiercing
Koestl OA Dr. Gerhard Köstl *)
LKH Leoben-Eisenerz Abt. f. Kinder- und Jugendheilkunde


F: Meine Enkelin (17 Jahre) ließ sich ein Zungenpiercing stechen. Kann die Zunge dabei nicht Schaden nehmen?


A: Ein Zungenpiercing ist üblicherweise ein durch die Mitte der Zunge gestochenes Schmuckstück, wobei der Stichkanal zwischen den Zungenmuskeln verläuft. Diese Position ist schonender und ungefährlicher als seitlich durch den Muskel gestochene Piercings. Voraussetzung ist, dass es von einem erfahrenen Piercer unter Einhaltung der Hygienevorschriften und mit sterilen Instrumenten durchgeführt wird, damit nicht beim Stechen Krankheitserreger wie Hepatitisviren oder HIV übertragen werden. Die richtige Stichtechnik schützt vor schweren Blutungen oder starken Schwellungen, auch ein Verlust der Geschmacks- und der Gefühlsempfindungen der Zunge ist dann nicht zu befürchten.

Die Heilung eines Zungenpiercings dauert 2-3 Wochen. In dieser Zeit sollte der Mundhygiene besondere Beachtung geschenkt werden, empfohlen sind Spülungen mit antiseptischen Lösungen, der Verzicht auf Rauchen, Alkohol, Küssen und Oralsex. Gegen die anfängliche Schwellung helfen Eiswürfel aus Kamillentee, die Speisen sollten weich bis breiig, nicht heiß oder scharf sein.

Langfristig kann es besonders bei zu weit vorne platzierten oder zu großen Piercings durch häufiges Anschlagen zu Schäden am Zahnschmelz oder am Zahnfleisch kommen. Meist ist der Piercing-Schmuck aus Titan oder Kunststoff, diese Materialien sind gut verträglich im Gegensatz zu verschiedenen Legierungen, die, insbesondere wenn sie Nickel enthalten, allergische Reaktionen hervorrufen können. Selten können Zungenpiercings auch zu Störungen der Aussprache führen. Auch wenn es in den meisten Fällen nicht zu Komplikationen kommt, sollten Jugendliche über die Risiken und Pflegerichtlinien Bescheid wissen, bevor sie sich für diese Art des Körperschmucks entscheiden.

*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
Erstellt am 8.5.2007 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008