Sind Inselzellentransplantationen auch für junge Diabetiker geeignet? Es stimmt, dass eine kanadische Forschergruppe überraschend gute Ergebnisse mit Inselzelltransplantationen für einen Beobachtungszeitraum von zwölf Monaten bei einer kleinen Zahl von Patienten beobachten konnte. Diese Patienten waren in der Tat bis zu diesem Bericht zu 100 Prozent insulinunabhängig. Diese Ergebnisse sind aber kritisch zu bewerten, denn bei anderen Studien waren beispielsweise nur fünf Prozent der Empfänger nach einem Jahr insulinunabhängig. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Inselzellen von hirntoten Organspendern gewonnen werden. Bei der Transplantation werden diese Zellen durch die Bauchhaut in die Pfortader, die zur Leber führt, eingeschwemmt. Nisten sie sich dort erfolgreich ein, produzieren sie das lebenswichtige Hormon Insulin. Oft sind aber mehrere Transplantationen bei ein und derselben Person notwendig bis ausreichend Inselzellen angewachsen sind, die dann genug Insulin produzieren. Ein sehr großes Risiko besteht auch darin, dass hier - wie bei jeder Transplantation von fremden Spendern - eine Immun-Unterdrückung mit speziellen, die Abstoßung verhindernden, Medikamenten notwendig ist. Möglicherweise " und das ist noch nicht ausreichend abgesichert " stellt die Unterdrückung des Immunsystems auf Dauer ein größeres Problem dar, als die derzeitige lebenslange Insulinbehandlung von jugendlichen Diabetikern. Das Immunsystem ist ja auch für die Abwehr von Infektionen oder bösartigen Tumoren wichtig. Die rege Forschungstätigkeit in diesem Bereich lässt für die Zukunft jedoch Hoffnung aufkommen: Möglicherweise kann durch die künstliche Züchtung von Inselzellen ein Schritt in Richtung Heilung von Diabetes getan werden. Derzeit kann aber von einer Heilung des Diabetes, oder von "Diabetes besiegt!", wie es marktschreierisch verkündet wurde, nicht die Rede sein. An eine Inselzelltransplantation bei Kindern ist vorerst nicht zu denken. Die Nebenwirkungen durch eine Immununterdrückung sind zu risikoreich und die Kinder haben ihre Zukunft ja noch vor sich.
Dr.Peter Kitzler Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde in Klagenfurt
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