Ist eine Eierstock-Transplantation bei Mädchen, die am Ullrich-Turner-Syndrom leiden, in Österreich möglich? Das Ullrich-Turner-Syndrom (UTS) wird verursacht durch eine Störung des Chromosomensatzes (Verlust oder krankhafte Veränderung von einem oder beiden X-Chromosomen). Typische UTS-Merkmale sind: Minderwuchs ab dem 2. Lebensjahr, breiter Brustkorb, tiefe Nackenhaargrenze, häufige Herzfehler und Nierenveränderungen etc. Die Eierstöcke sind in der Regel verkümmert und produzieren zu wenig weibliche Sexualhormone (Östrogene). Die Pubertät verläuft deshalb nicht normal, der weibliche Zyklus stellt sich nicht ein. Da keine befruchtungsfähigen Eizellen produziert werden, können Frauen mit UTS keine Kinder bekommen. Fehlende oder nicht ausreichend produzierte Hormone werden heute bereits medikamentös ersetzt. Für die fehlende Reproduktionsfähigkeit der Eierstöcke gibt es jedoch noch keinen Ersatz. Eierstocktransplantationen werden derzeit noch an Tieren getestet, um optimale operationstechnische Möglichkeiten zu finden. Transplantationen an Frauen mit UTS wurden bislang nicht vorgenommen. Unter ethischen Gesichtspunkten betrachtet, ist bei einer Eierstocktransplantation besonders problematisch, dass das Erbgut in den Eizellen des transplantierten Eierstockes das der Spenderin ist und sich völlig von dem der Empfängerin unterscheidet. Aus medizinischen, transplantationstechnischen und ethischen Gründen werden deshalb in absehbarer Zukunft keine Eierstocktransplantationen zur Behandlung des UTS eingesetzt werden. Sollte sich das betroffene Mädchen später Kinder wünschen, ist aus heutiger Sicht zu einer Adoption raten.
OA Dr.Gerhard Köstl Abteilung für Kinder und Jugendliche am A.ö. Landeskrankenhaus Leoben
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