Das akzidentelle (funktionelle) Herzgeräusch („Innocent Murmur" bzw. „harmloses Herzgeräusch") K. Pallasmann, U. Salzer-Muhar
Bei Kindern und Jugendlichen ist ein Herzgeräusch das häufigste Symptom eines angeborenen oder erworbenen Herzfehlers. Nach dem ersten Lebensjahr werden fast alle Herzfehler aufgrund ihrer typischen Geräuschphänomene diagnostiziert. Die bei einem Herzfehler hörbaren Geräusche bezeichnet man als „organische" Herzgeräusche. Bei ca. 70% herzgesunder Kinder und Jugendliche treten jedoch während des Wachstums auch Herzgeräusche auf, welchen keine Pathologie zugrunde liegt. Diese werden als „akzidentelle" Herzgeräusche bezeichnet und haben einen typischen musikalischen Klangcharakter. Da sie durch Zustände mit erhöhtem Herzzeitvolumen verstärkt werden, fallen sie häufig im Rahmen von fieberhaften Infekten auf . Die Unterteilung der nicht pathologischen Geräusche ist in der Literatur nicht ganz einheitlich. Die zwei häufigsten akzidentellen Geräusche sind das Still`sche Geräusch und das juvenile Pulmonalsystolikum. Venöse Flussgeräusche und supraklavikuläre Strömungsgeräusche werden weniger häufig diagnostiziert. Beschreibung: - Das Still´sche Gräusch tritt meist zwischen 3.und 6. Lebensjahr auf. Es ist ein niederfrequentes vibrierendes, sirrendes bzw. musikalisches 2-3/6 Geräusch, das im Liegen maximal zwischen mittlerem linken Sternalrand und Apex hörbar ist.
- Das juvenile Pulmonalsystolikum hat einen Häufigkeitsgipfel zwischen dem 10.und 14. Lebensjahr bzw. beim Adoleszenten.Es ist ein eher blasendes 1-3/6 Geräusch, das über dem II. ICR links parasternal auskultiert werden kann.
- Venöses Flussgeräusch
Bei manchen Kindern, häufig zwischen dem 3. Und 6. Lebensjahr kann man rechts oder links supra- und infraklavikulär auch venöse kontinuierliche Flußgeräusche im Stehen hören. Im Liegen hört man sie nicht, die Lautstärke dieser 1-3/6 Geräusche wechselt mit Kopfdrehung und Kompression der Jugularvene.
- Arterielles supraklavikuläres Strömunggeräusch
Auch über den Karotiden und rechts supraklavikulär kann man – in jedem Alter – manchmal ein Strömungsgeräusch (2-3/6) hören, gelegentlich auch ein Schwirren über den Karotiden tasten.
Bei all den genannten Geräuschphänomenen ist das Kind herzgesund, EKG und Ultraschalluntersuchung ergeben einen normalen Befund. Zusammenfassend sollte jedes Kind mit einem Herzgeräusch zunächst einmal von einem Facharzt für Kinder-und Jugendheilkunde untersucht werden, der häufig allein durch den typischen Charakter des Geräusches bereits die Diagnose eines akzidentellen Geräusches sichern kann. Eine weitere Diagnostik ist erforderlich, wenn das Herzgeräusch nicht sicher als akzidentell eingestuft werden kann, auf jeden Fall aber bei Geräuschen die 3/6 Grad laut sind , Geräuschen die mit einem palpierbaren Schwirren einhergehen, diastolischen Herzgeräuschen, sowie pathologischen Herztönen, weiters bei kardialenSymptomen, Veränderung der Pulsqualitäten an oberer und unterer Extremität, pathologischem EKG und Thoraxröntgen sowie bei Vorliegen extrakardialer Malformationen, die häufig mit einem Herzfehler assoziiert sein können.
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