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Babynest / Babyklappe
Stimmt es, dass man in Wien ein ungewolltes Baby anonym und straffrei in einem Krankenhaus abgeben kann. Wo gibt es diese Möglichkeit und kann man das Baby später wieder zurückbekommen?

Im Wilheminenspital der Stadt Wien gibt es das sogenannte erste "Babynest" Österreichs. Es ist klar, dass diese Einrichtung nur der letzte Ausweg für verzweifelte Mütter bzw. Eltern in Krisensituationen sein kann, denn niemand gibt sein Kind freiwillig her. Das Babynest oder die Babyklappe ermöglicht es Frauen bzw. Eltern, ihr Neugeborenes anonym und straffrei abzugeben, ohne die Gesundheit und das Leben des Kindes zu gefährden. Das "Babynest" liegt direkt an der Mauer des Wilhelminenspitals auf der Höhe der Haltestelle "Flötzersteig" (Autobuslinie 48A) in Wien-Ottakring. Hinter einer metallenen Schwingtüre befindet sich ein kleines Gebäude mit einem Wärmebettchen, in das das unwillkommene Neugeborene hineingelegt werden kann. Über druck-empfindliche Sensoren werden optische und/oder akustische Signale in der Kinderambulanz ausgelöst und der dienst-habende Arzt kann sich unverzüglich um das Baby kümmern. Das Neugeborene wird an der Säuglingsstation fachärztlich untersucht und zur Beobachtung aufgenommen. Bei stabilem Gesundheitszustand kommt der Findling für bis zu acht Wochen in eine Pflegefamilie. Die Mutter kann sich innerhalb von acht Wochen noch für ihr Kind entscheiden. Dafür muss sie aber den eindeutigen Identitätsnachweis erbringen, dass sie tatsächlich die Mutter ist. Sie sollte daher sicherheitshalber, bevor sie das Baby in das Bettchen legt, einen Fuß- oder Handabdruck des Kindes machen. Dafür findet sie in der Babyklappe ein Stempelkissen und ein Merkblatt (in mehreren Sprachen) vor, auf dessen Rückseite Platz dafür ist. Weiters steht auf dem Merkblatt eine Notruf-Telefonnummer, über die sie in den nächsten acht Wochen Auskunft über ihr Baby bekommen kann. Will die Mutter das Kind aber nicht zurück, veranlasst das Amt für Jugend und Familie die Adoption des Kindes. Auch wenn das Babynest nur der letzte Ausweg für verzweifelte, in einer oft ausweglosen Krisensituation befindliche Frauen/Eltern sein kann, so trägt es doch zur Vermeidung von Kindesaussetzungen mit oft schwerstwiegenden Folgen bei.

Univ.-Prof.Dr.Andreas Lischka
Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde der Kinderklinik Glanzing im Wilhelminenspital der Stadt Wien
Erstellt am 29.4.2004 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008