Dr. Alfred Stiskal *)
FA für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien
F: Wie verhalte ich mich, wenn eines meiner Kinder (4, 6 und 9 Jahre) einen Fieberkrampf bekommt?
A: Fieberkrämpfe sind Gelegenheitsanfälle im Alter von 6 Monaten bis zum 5. Lebensjahr, die in Verbindung mit Fieber (ab 38,5 Grad) auftreten. Die Geschwindigkeit des Fieberanstiegs spielt dabei eine wichtige Rolle.
Nicht dazuzurechnen sind Krampfanfälle, die durch Erkrankungen des Zentralnervensystems auftreten, oder epileptische Anfälle im Rahmen einer fieberhaften Erkrankung bei bestehender Epilepsie. Familiäre Vorbelastung liegt bei 40% der Kinder vor.
Betroffen sind 3-4% der Kinder, ¼ dieser Kinder haben einen Rückfall innerhalb des ersten Jahres. Die Prognose ist grundsätzlich günstig. Der Anfall gleicht einem epileptischen Anfall: Er ist symmetrisch, lokal oder seltener ein generalisierter Schüttelstreckkrampf. Bläuliche Verfärbung der Lippen, Bewusstlosigkeit treten ein, eine kurze Periode der Schläfrigkeit folgt dem Anfall.
Der einfache Fieberkrampf dauert 3-10 Minuten und hinterlässt keine neurologischen Folgesymptome. Der komplizierte Fieberkrampf dauert länger als 15 Minuten, bzw. es treten mehrere Krämpfe während einer Fieberperiode auf. Das Epilepsierisiko als Folge liegt bei 2-4%, speziell nach komplizierten Fieberkrämpfen und neurologischen Folgesymptomen.
Sollte eines Ihrer Kinder einen Fieberkrampf erleiden, so sollte die Unterbrechung des Fieberkrampfes so rasch als möglich erfolgen. Bis zum Eintreffen des Arztes sind Verletzungen und Aspiration zu vermeiden, legen Sie Ihr Kind in Seitenlage, machen Sie die Atemwege frei und beobachten Sie den Kreislauf. Zusätzlich sollten Sie fiebersenkende Maßnahmen einleiten (Wadenwickel, Wärmestau vermeiden, Fieberzäpfchen geben). Außerdem ist es wichtig, die Anfallsdauer und den Ablauf zu registrieren, denn das ist für die weitere Vorgehensweise wichtig.
Bei einem wiederholten Anfall sollte von den Eltern Valium in flüssiger Form rektal verabreicht werden, wenn der Fieberkrampf länger als 3 Minuten dauert. Diese Rektiolen werden vom behandelnden Arzt mit den entsprechenden Instruktionen nach einem ersten Anfall als Notfallmedikament für zu Hause mitgegeben.
Bei Fieberkrampfrezidivneigung wird heute eher eine sogenannte intermittierende Prophylaxe, nicht wie früher eine Dauerprophylaxe über 2 Jahre, verabreicht. Das heißt, nach einem zweiten Anfall werden bei Auftreten eines Fieberzustandes über 48 Stunden alle 12 Stunden ein Diazepam-Zäpfchen (Valium-ähnlich) oder Tropfen gegeben. Eine Dauertherapie wird heute auch bei wiederholten Fieberkrämpfen nicht mehr empfohlen.
Grundsätzlich ist natürlich die Abklärung der Fieberursache wichtig, speziell bei Kindern unter dem ersten Lebensjahr. Zusammenfassend ist der Fieberkrampf ein bedrohlich wirkendes Zustandsbild, das jedoch meist eine gute Prognose hat.
Dieser Artikel wurde bereits als Pressetext in der Kategorie "Die Ganze Woche - Österreichs Kinder- und JugendärztInnen beantworten Leserfragen", Artikel aus dem Jahr 2005 publiziert, zu sehen unter
Fieberkrampf.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde