Dr. Markus Seidel *)
St. Anna Kinderspital und
Forschungsinstitut für krebskranke Kinder, Wien
F: Die Tochter meiner Freundin leidet an Leukämie und soll knochenmarktransplantiert werden. Kann ich mich als Knochenmarkspenderin zur Verfügung stellen?
A: Es ist sehr zu begrüßen, dass sich immer mehr Menschen dazu entschließen, sich als Knochenmarkspender registrieren zu lassen. Voraussetzung ist, dass Sie gesund und nicht älter als 45 Jahre sind.
Für die Gewebsbestimmung ist eine einfache Blutabnahme notwendig. Ob Sie nun für das Kind Ihrer Freundin oder für einen anderen Patienten als Blutstammzellspenderin geeignet sind, hängt von den sogenannten „Gewebeverträglichkeitsmerkmalen" ab.
Die Wahrscheinlichkeit vollständig „zusammenzupassen" (sogenannte HLA-Identität) liegt bei nicht verwandten Personen bei etwa 1: 500.000. Je mehr Merkmale übereinstimmen, umso besser ist dies für einen Patienten. Sollte unter den Verwandten des Kindes niemand als Spender geeignet sein, wird eine Fremdspendersuche eingeleitet und binnen kürzester Zeit auf viele Millionen international registrierter Spender (darunter auch Sie) zugegriffen.
Es gibt heute mehrere Möglichkeiten, Blutstammzellen von einem Spender zu gewinnen: Entweder man entnimmt in Vollnarkose vom Beckenknochen Knochenmarkblut oder der Spender erhält einige Tage einen Wachstumsfaktor für Blutzellen, dann wandert ein Teil seiner Stammzellen aus dem Knochenmark in die Blutbahn. Durch eine Blutwäsche können dann die Stammzellen aus einer Vene gewonnen werden.
Ihre Stammzellspende ist ein unbezahlbarer zwischenmenschlicher Akt, der Leben retten kann. Viel Forschung ist jedoch noch notwendig, um herauszufinden, wie die transplantierten Zellen am besten funktionieren. Da sowohl die Gewebetypisierung von Knochenmarkspendern, als auch die Kinderkrebsforschung aufwändige Methoden erfordern, ist auch eine finanzielle Unterstützung des „Österreichischen Knochenmarkspende-registers" (
www.knochenmarkspende.at) oder der „St. Anna Kinderkrebsforschung" (
www.ccri.at) sehr zu begrüßen!
Dieser Artikel wurde bereits als Pressetext in der Kategorie "Die Ganze Woche - Österreichs Kinder- und JugendärztInnen beantworten Leserfragen", Artikel aus dem Jahr 2004, publiziert, zu sehen unter
Knochenmarktransplantation.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde