Univ.-Prof. Dr. Peter Scheer *)
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, GrazF: Unser fünfeinhalb Jahre alter Sohn besitzt einen Game-Boy mit Kopfhörern und einen Kinder-Laptop, mit beidem spielt er nach dem Kindergarten täglich. Außerdem sieht er täglich eine kurze Kindersendung im Fernsehen. Da unser Kind mitunter auch sehr hektisch ist, möchte ich fragen, inwieweit das seine Entwicklung beeinträchtigen kann?
A: Das Einkaufen elektronischer Spielzeuge macht Kindern und Eltern zwar meistens viel Spaß, allerdings besitzen diese Sachen eine Faszination, die alle anderen Arten der Entdeckung der Umwelt langweilig und schal erscheinen lässt.
Man weiß heute, dass das Ausmaß körperlicher Bewegung unter der Beschäftigung mit Laptop, Game-Boy und Fernsehen leidet. Aber auch die Anzahl der Kontakte mit Gleichaltrigen und die Freude an der Auseinandersetzung mit der Natur werden immer weniger.
Eher unwahrscheinlich ist es, dass diese Zustände krankheitswertig werden.
„Hektisch sein" ist keine Krankheit, aber da die "normale" Welt im Vergleich zu den spannenden Erlebnissen am Game-Boy fad ist, muss beim elektronischen Spiel ausgelebt werden (und in Bewegung umgesetzt werden), was dort an Krieg, Mord, "Verlieren von Leben" usw. alles geboten wird.
Ich empfehle ihnen die Zeiten, die ihr Sohn mit seinen Geräten verbringt, auf jeweils maximal 20 Minuten zu beschränken. Anfangs wird er protestieren, aber nach einiger Zeit Anderes entdecken. Allerdings sollte es dieses „Andere" auch geben, wie eben andere Kinder, Spielmöglichkeiten im Freien und handwerklich betontes Spielzeug.
Dieser Artikel wurde bereits als Pressetext in der Kategorie "Die Ganze Woche - Österreichs Kinder- und JugendärztInnen beantworten Leserfragen", Artikel aus dem Jahr 2005, publiziert, zu sehen unter
Laptop.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde