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Angst und Traurigkeit des Kindes - Zusammenfassung
(adaptiert nach einem Vortrag anläßlich der 32. Fortbildungswoche der österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, Obergurgl, 28.1.99)

Univ.Prof. Dr. Marguerite Dunitz-Scheer

Zusammenfassung:


Angst macht Angst und Traurigkeit macht traurig; seien Sie nun also, verehrte Leser, beim Lesen dieses Textes, auf einen Kitzel der "anderen Art" gefaßt.

Dem Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, ob in der Praxis oder Klinik, begegnet das Thema Angst und Traurigkeit des Kindes häufig und in unterschiedlichster Weise.

Wichtig für den Arzt bei diesem Thema ist, daß Angst und Traurigkeit nur aus der Subjektivität des betroffenen Kindes verstanden werden können, und/oder nicht nur aus der Glaubhaftigkeit der Angaben der Eltern oder aus dem geschilderten Zusammenhang mit logisch nachvollziehbaren, oder - objektivierbaren Auslösern.

Vor allem aus der Übertragung (Gefühl des übertragennen Affektes des Kindes auf den Betrachter) in der realen Begegnungssituation kann und muß der effektive und korrekte therapeutische Umgang mit der Symptomatik resultieren.

Angst und Traurigkeit sind nicht dasselbe; lange glaubte man, daß Angst ein sog. primärer Affekt sei, welcher als Überlebensinstinkt nicht nur lebensnotwendig, sondern auch von Geburt weg durch die Expression von Klammerreflexen, Schreien, das Ausreißen der Augen oder andere vegetative Reaktionen beobachtbar sei.

Traurigkeit im Gegensatz dazu, sei ein später erworbener sekundärer Affekt des Verlustes, welcher erst nach Entwicklung der Identität frühestens nach Vollendung des 1. Lebensjahres nachweisbar sei. Vorrausetzung sei, so meinte die psychoanalytische Literatur, der Verlust eines primären Objektes, meist einer primären Bezugsperson.

Die Literatur der letzten 50 Jahre hat jedoch diesbezüglich wertvolle Hinweise erbracht, daß dem nicht so sei, und so wird heute die frühkindliche Depression, die primäre Lebens"Unlust oder ein existentieller Rückzug der primären Bedürfnissäusserungen bei schwer emotional deprimierten Säuglingen ebenso auch durchaus seit wenige Wochen nach der Geburt diagnostiziert.

Der folgende Artikel versucht mit der Darstellung und illustrativen Präsentation der Thematik sowohl der Subjektivität de betroffenen Kinder und deren Familien wie auch dem Handlungsanspruch des damit befaßten Kinderarztes gerecht zu werden.
Erstellt am 29.4.2004 | Zuletzt bearbeitet am 15.5.2009