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Psychosomatik im Umfeld der Spitzenmedizin
Psychosomatik im Umfeld der Spitzenmedizin

Zusammenfassung:
Dieser Artikel stellt den Versuch einer Reflexion, Standortbestimmung sowie der Aufgaben des Fachbereichs der Psychosomatik innerhalb der heutigen Medizin dar und dies sowohl in diagnostischer wie in behandlungsrelevanter Hinsicht. Er ist für interessierte Eltern sowie interdisziplinäre Kollegen und Therapeuten verfaßt worden. Literatur ist beim Autor beziehbar.

Einleitung
Voller Freude beobachtet man die Entwicklung der Spitzenmedizin. Genmaping, Organtransplantation, Intensivneonatologie, Knochenmarkstransplantation, Stammzelltransplantation und anderes mehr lassen Sterben und Tod als fast ausweichliche Probleme des Menschen empfinden. Kritik an dieser Art der Medizin, die so vieles verspricht, wird auch individuell unglaubwürdig. Jeder, der letzten Endes eine neue Coronararterie braucht, jeder, der an Krebs erkrankt, findet sich - oft nach Jahren der Komplementärmedizin - im klinischen Zentrum wieder, in dem er - oft zu Recht - Genesung erhofft. Die Psychosomatik nimmt dann eine Position ein, in der ihr Krankheit nach Krankheit, die sie bisher für sich beansprucht hat, weggenommen wird. War es erst das Asthma bronchiale - noch in den siebziger Jahren Forschungs- und Behandlungsgegenstand der psychosomatisch orientierten Mediziner -, so wurde es dann das Ulkus ventriculi et duodeni nach der Entdeckung des Helicobacter pylori. Plötzlich war die "Eradikation" (die Ausrottung) eines Keims - bei oft gleichen Lebens- und Arbeitssituationen - jedenfalls zur Rezidivprophylaxe entscheidend. So begab sich die Psychosomatik immer mehr in die Rolle des Bettlers mit Löchern in den Taschen. Angstvoll wurde auf die nächste Entdeckung gewartet. Die psychosomatisch tätigen Ärzte gingen dabei vor, wie Mitglieder einer bedrohten Minorität: Manche konvertierten zur sogenannten Organmedizin, manche gruben sich ein und nahmen komplementärmedizinische Methoden in ihr Repertoire auf, nur wenige hielten der Anfechtung stand.

In der Tat verlangt dieses Standhalten starke Nerven: Denn gerade durch die Entdeckungen der Medizin wird die Psychosomatik immer wesentlicher. Denn Psychosomatik hat keine Krankheiten, die ihr gehören. Sie ist in jeder Erkrankung zu Hause. Da sie authentisch nur von Internisten, seien sie nun auf Erwachsene, oder Kinder spezialisiert, betrieben werden kann, betreibt sich ihre Diffusion in das System. In Zeiten in denen noch immer "anständige Kliniker" keine psychosoziale Anamnese führen, um nicht in den Geruch der "PSY-Gemeinde" anzugehören zu kommen; in Zeiten in denen die Aufenthaltszeiten in den Spitälern immer weiter sinken, ist Psychosomatik die Lehre von den psychosozialen Bedingungen und krankheitsbeeinflussenden Faktoren schlechthin. Sie wird in dem Management des Erkankungs- und Genesungsprozeß immer bedeutender.

>Psychosomatik.pdf Psychosomatik 16.2 kB
Erstellt am 28.4.2004 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008