Welches Spielzeug kann man Kindern als sinnvollen Ersatz zu Fernsehen und Video anbieten?
Rein äußerlich gesehen hat man oft nicht den Eindruck, dass es Kindern, die alles haben und im Überfluss leben, an etwas fehlt. Bei genauerem Hinsehen merkt man aber, dass sie sehr wohl an einem Mangel leiden - einem Mangel an Zuwendung, Körperkontakt, Bewegung, Spiel und Muße und oft auch an Erziehung. Dem gegenüber steht ein Überfluss an Reizen, der auf die Kinder einströmt. Die für die gesunde kindliche Entwicklung so notwendigen Rhythmen und Rituale werden heute oft durch einen völlig "unkindgemäßen" Aktionismus ersetzt, wie z.B. das ständige Mitnehmen von Kleinkindern am Abend in Lokale, zu Veranstaltungen, auf Fernreisen und vor allem die zu frühe Bekanntschaft mit dem Fernsehen bzw. Video. Dazu kommt oft ein Überfluss an Spielzeug und/oder Nahrung und so schließt sich schnell der Teufelskreis. Neben der kindlichen Phantasie und Kreativität verkümmert auch eine gesunde körperliche Entwicklung, bedingt durch den Bewegungsmangel. Zu viele Kinder laufen, springen, hüpfen, klettern, schaukeln heute zu wenig, ihr Gleichgewichtssinn ist unterfordert, ihre Tasterlebnisse sind spärlich, ihre Feinmotorik ist durch den Bewegungsmangel unterentwickelt. Was man konkret tun kann: Man sollte eine ruhige, liebevolle Umgebung und Geborgenheit für die Kinder schaffen. Ein geregelter Tagesablauf, ein sinnvoller Rhythmus, ist wichtig. Wenig, aber qualitativ gutes, altersgemäßes Spielzeug ist sinnvoll und vor allem die Beschäftigung mit den Kindern ist wichtig. Man sollte den Fernsehkonsum drastisch reduzieren und dafür sorgen, dass sich die Kinder soviel wie möglich im Freien bewegen. Trotzdem muss man Grenzen setzen, denn Erziehen ist eine Gratwanderung zwischen Zulassen und Grenzen setzen.
Prim.Dr.Karl Pallasmann Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landeskrankenhaus Villach
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