Mit Psychsomatik versteht man im deutschen Sprachraum eine ärzhtlich-ehtnische Haltung, mit welcher sich der Helfer dem Leidenden oder Hilfesuchenden zum Zwecke einer konstruktiven Auseinandersetzung zur Verfügung zu stellen versucht. Das heißt der Helfer organisiert sich als Begleiter des Patienten/Klienten und/oder seines Angehörigen und steht ihm oder ihr zur Findung einer Fragestellung zur Seite, mit welcher der Klient selbst versucht, den nächsten Schritt in einem Orientierungs-, und Lösungsfindungsprozess zu machen.
PSYCHO steht für das geistig-seelisch heute noch weitgehend Unmessbare, das unsere Gedanken steuert und unsere Gefühle lenkt. Mit dem stand der heutigen Neuropsychologie könnte man dies bereits neuro-molekular-biochemischer ausdrücken., es werden jedoch noch Jahre vergehen, bis die wissenschaftlichen Modelle eine messbare Veränderung in der kollektiven Sprachanwendung und des gesellschaftlichen Verständnis bewirken. Das Fach Psychologie, der Psychologe die Psychotherapie, der Psychotherapeut, der Psychoanalytiker, ja nicht zuletzt auch der Psychiater versuchen heute in diesem Bereich Fragen aufzuwerfen und Antworten anzubieten. Das psychosomatische Team der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz ist ein Team, welches sich durch die unterschiedlichen Ausbildungen aus ganz verschiedenen "Schulen" zusammensetzt und gerade damit eine möglichst breite und offene Haltung zu vermitteln versucht. Unser Zugang ist von einer bisweilen schonungslos offenen und transparenten Kommunikationsstruktur und Diskussionskultur geprägt, der den Patienten selbst - sei dies auch ein kleines Kind - als mündiger und selbst Verantwortung tragender Partner und im diagnostischen wie auch therapeutischen Prozess Mitkommunizierender anerkannt. So gilbt es keinerlei Gespräche "hinter verschlossenen Türen", keine Geheimnisse vor dem Patienten, keine nicht einsehbaren Akte, keine Gespräche mit Eltern über ihre Kinder ohne deren Anwesenheit und eine möglichst große Wahrung und Wertschätzung bezüglich des Umgangs mit den vom Patienten selbst zur Verfügung gestellten Gesprächsthemen. Ebenso wird der Patient nicht mit Gedanken von Teammitgliedern, die ihn betreffen "verschont". Diese Teamorganisation und Arbeitsweise definieren wir als unsere "psychosomatische Haltung" und machen die Erfahrung, dass gerade das sich durch körperliche Beschwerden ausdrückende Kind oder Jugendlicher dies durchaus nutzen kann und oftmals in diesem Klima seine eigene Fragestellungen erstmals entwickeln und ausdrücken kann.
SOMATIK steht für den körperlichen Anteil erlebter Beschwerden, für das, wofür der Arzt und Mediziner "objektive" Befunde sucht und manchmal findet und für die Ausdrucksmöglichkeit unseres Körpers, auf Stress körperlich zu reagieren. Beschwerden wie Gewichts- und Appetitstörungen, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schwindel und andere körperliche Sensationen wie auch Suchtverhalten sind häufige Ausdrucksformen des nacht Halt und Identität suchenden heranwachsenden Kindes. Der von der Laienbevölkerung oftmals geäusserte Wunsch der Vorstellung einer ähnlich einem Autoservice organisierbaren objektiven "Durchuntersuchung" erweist sich im klinischen Alltag als Illusion, die oft zu einer Enttäuschung besonders der Angehörigen führt. Die Erkenntnis, dass jedes Organsystem, die Steuerungssysteme miteinander und jede Tätigkeit des lebenden Menschen an sich eine Konfluenz körperlichen Seines im sozialen Kontext ist, welches mehr oder weniger willentlich gesteuert wird, ist ganz unabhängig von der Annahme eines transzidentellen "höheren seelischen Seins" für das lebendige Kind in seiner Entwicklung wertvoll.
Oft machen wir die Erfahrung, dass der Ausschluss einer diagnostizierbaren Organbeteiligung Beruhigung und Entlastung auslöst, oftmals ist aber genau der gegenteilige Effekt zu sehen. Auch dies kann jedoch hilfreich sein, da der Werg zu einer gemeinsamen Sprache und eines gemeinsamen Denkens und Kommunizierens über und mit dem Kind ins einem familiären und sozialen Netz - vor allem aus der zeitlich begrenzten Distanz eines stationären Aufenthaltes - als die bisherige Kultur erweitender Prozess selbst notwendig und heilsam sein kann. So kommen unsere kleinen und grösseren Patienten mit den häufigen Symptomen wie Ausscheidungsstörungen (Enuresis, Enkopresis), übermäßige Lebhaftigkeit (ADHD), Introvertiertheit und sozialem Rückzug (Depression) aber auch der zunehmenden Zahl von Einfuhrstörungen, der frühkindlichen Ess- und Fütterungsstörungen und der eher in der Adoleszenz und Pubertät auftretenden Gewichtsstörungen vor Vorstellung. Da ganz selten ein Kind oder Jugendlicher von sich aus selbst zur Vorstellung kommt, sind die Eltern fast immer die erste Wahrnehmungsstation einer vorliegenden Problematik. Die latente Hoffnung der Eltern, dass Kind möge auch einer "anständigen" organischen Problematik leiden und nicht "psychologisch sein" macht die Kommunikation mit dem Helfersystem anfangs oft etwas mühsam. Trotz all diesen Anfangsschwierigkeiten muss die Begegnung im Dreieck Eltern-Kind-Helfersystem respektvoll und zugleich "psychosomatisch wach" bleiben. So beinhaltet die notwendige differentialdiagnostischen Auseinandersetzung nebst der interaktionssensiblen psychodynamischen Einschätzung und testpsychologischen Begegnung immer auch die Bestimmung messbarer Parameter wie Körpergewicht, Länge, Blutdruck, Blutbild, Harn, Lungenfunktion etc. als Service und Auftrag der biologischen Eigenschaften und Funktionen.
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