Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl *)
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz
F: Mein sechsjähriger Enkelsohn ist beim Schlafen unheimlich warm, ohne dass er Fieber hat. Tagsüber läuft er gerne im Unterhemd herum, weil ihm immer zu warm ist und er bläst auf seine Fingerspitzen und sagt, sie seien heiß. Was kann das sein?
A: Ihre Frage ist "aus der Ferne" nur teilweise beantwortbar.
Wenn sich Ihr Enkel im Schlaf warm anfühlt, ohne dabei Fieber zu haben, könnte dies z.B. daran liegen, dass er zu fest zugedeckt ist. In diesem Fall versucht der Körper durch vermehrte Wärmeabgabe die überschüssige Wärme loszuwerden. Es werden dann periphere Hautpartien ähnlich warm wie das Körperinnere (der sogenannte "Körperkern"), während bei wenig Bedeckung und kühler Umgebung periphere Hautpartien (z.B. die Finger) bis zu 10 Grad kühler sein können als das Körperinnere.
Auch dass Ihrem Enkel tagsüber offensichtlich meist (zu) warm ist, muss nicht
unbedingt krankhaft sein. So wie es Menschen gibt, denen immer "zu kalt" ist, gibt es auch das Gegenteil als individuelle Normvariante.
Eine Möglichkeit für krankhafte Wärmeüberempfindlichkeit wäre eine
Schilddrüsenüberfunktion, welche in diesem Alter aber eher selten vorkommt. Sie geht meist zusätzlich mit Schweißneigung, Unruhe und Gewichtsabnahme einher.
Wenn Ihr Enkelsohn also neben der Wärmeempfindlichkeit zusätzliche Symptome zeigt, sollten Sie unbedingt Ihren Kinderarzt konsultieren.
Dieser Artikel wurde bereits als Pressetext in der Kategorie "Die Ganze Woche - Österreichs Kinder- und JugendärztInnen beantworten Leserfragen", Artikel aus dem Jahr 2005, publiziert, zu sehen unter
heiße Finger.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde