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Babytourismus, Univ.-Prof.Dr.Reinhold Kerbl
Kerbl Univ.-Prof.Dr.Reinhold Kerbl *)
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz



F: Meine Freundin ist ständig unterwegs und nimmt ihre drei Monate alte Tochter überall hin mit, sowohl tagsüber ins Kaffeehaus, als auch zu Abendveranstaltungen. Wirken sich diese laufend wechselnden Schlafbedingungen nicht negativ auf die Entwicklung des Mädchens aus?
 

A: Ich muss Ihnen bedingt Recht geben. Säuglinge in den ersten Lebensmonaten sind zwar bezüglich der Umgebungsbedingungen einerseits recht "anpassungsfähig" und finden auch auswärts in der Regel recht gut ihren Schlaf, andererseits ist natürlich eine harmonische, geordnete Umgebung der normalen Entwicklung des Säuglings förderlich. Gegen einen Besuch bei einer "Freundin" ist somit sicher nichts einzuwenden, das Baby wird sich in der Regel auch dort den notwendigen Schlaf holen und kann durchaus auch im Kinderwagen ein erholsames Schläfchen absolvieren. Weniger zu befürworten ist hingegen der Besuch von Lokalen und Abendveranstaltungen. Es herrscht hier nicht nur die Gefahr der Reizüberflutung und Lärmbelastung, sondern auch jene der Nikotinbelastung und insbesondere in der kalten Jahreszeit der Ansteckungsgefahr für Atemwegsinfektionen. Solche Infektionen können insbesondere bei jungen Säuglingen rasch zu bedrohlicher Atemnot führen. Ein "Säuglingstourismus" ist somit aus ärztlicher Sicht abzulehnen. Zu Abendveranstaltungen sollte das Baby überhaupt nur in Ausnahmefällen mitgenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt sollte das Baby vielmehr nach einem wohligen Bad, einem beruhigenden "Gespräch" zwischen Eltern und Kind unter geordneten Bedingungen in sein gewohntes Bettchen gebracht werden. Weitere Informationen zur idealen Schlafumgebung finden Sie im Internet unter www.sids.at.


Dieser Artikel wurde bereits als Pressetext in der Kategorie "Die Ganze Woche - Österreichs Kinder- und JugendärztInnen beantworten Leser-fragen", Artikel aus dem Jahr 2004, publiziert, zu sehen unter Babytourismus.


*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
Erstellt am 16.12.2004 | Zuletzt bearbeitet am 18.10.2009