Univ.-Prof. Dr. Siegfried Gallistl *)
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, GrazF: Kürzlich hörte ich, dass es in Österreich immer mehr „adipöse" Kinder gibt. Was versteht man darunter?
A: Der Begriff „adipös" bzw. „Adipositas" steht für „Fettleibigkeit". Um genau
definieren zu können, ab wann ein Kind übergewichtig oder adipös ist, wird der sogenannte „Body Mass Index" (BMI) herangezogen, der berechnet wird, indem man das Körpergewicht in Kg dividiert durch die Körpergröße in Meter zum Quadrat (kg/m²). Der errechnete Wert wird dann mit den altersspezifisch gültigen Normalwerten verglichen.
Laut Angaben der WHO stieg in den letzten drei Jahrzehnten in den westlichen Industriestaaten die Anzahl der übergewichtigen und fettleibigen Kinder um mehr als 50 Prozent, und auch in Österreich sind bereits etwa zehn bis 15 Prozent der Zehn bis Achtzehnjährigen übergewichtig, und etwa drei bis fünf Prozent adipös.
Das ist umso dramatischer, als diese Kinder und Jugendlichen auch im
Erwachsenenalter mit einer Wahrscheinlichkeit von 80-90 Prozent übergewichtig sein werden und damit mit den bekannten gesundheitlichen Folgeerscheinungen zu kämpfen haben werden, etwa Altersdiabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette bis zu Herzinfarkt und Schlaganfall.
Meine Empfehlung daher an alle Eltern: Sorgen Sie bei Ihren Kindern für ein
ausgewogenes Verhältnis zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch.
Nahrungsmittel sollten niemals als Belohnung eingesetzt werden, es sollten fixe Essenszeiten eingehalten werden und achten Sie bewusst auf die Auswahl von gesunden Lebensmitteln, um die „Versuchung" für Ihre Kinder möglichst gering zu halten. Achten Sie auch bei der Freizeitgestaltung auf sportliche Aktivitäten und reduzieren Sie Fernsehen und Computerspiele.
Dieser Artikel wurde bereits als Pressetext in der Kategorie "Die Ganze Woche - Österreichs Kinder- und JugendärztInnen beantworten Leserfragen", Artikel aus dem Jahr 2005, publiziert, zu sehen unter
Adipositas.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde