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Interdisziplinäre Therapiekonzepte bei Adipositas
Adipositaspraevention Übergewicht stellt ein nachgewiesenes Gesundheitsrisiko dar. Prävention und Behandlung dieser deutlich zunehmenden Folgeerscheinung industrialisierter Länder gelten als aktuelle gesundheitspolitische und sozialpolitische Herausforderungen.
Gerade in der Steiermark nimmt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die für ihr Alter zu schwer sind, zu [Mangge et al]. Zur Beurteilung von Übergewicht wird der Body Mass Index (BMI) herangezogen, doch gelten im Unterschied zum Erwachsenenalter alters- und geschlechtsbezogene Werte [Kromeyer-Hauschild et al, 2001]. So spricht man bei BMI-Werten zwischen 90. und 97. Alters-/Geschlechtsperzentile von Übergewicht, bei BMI-Werten über der 97. Perzentile von Adipositas.
Aus zahlreichen Studien ist hervorgegangen, dass ohne Interventionen und Therapiekonzepte fast alle übergewichtigen Kinder und Jugendliche auch im Erwachsenenalter übergewichtig werden, und ein zunehmender Teil der übergewichtigen Erwachsenen war schon in der Jugendzeit übergewichtig. Somit kommt der Prävention/Behandlung dieser Problematik eine übergeordnete Rolle zu, und ihre Qualität entscheidet mit über die Zukunft unseres Landes in Hinsicht auch die die mit der Adipositas verbundenen Erkrankungen wie DM, Herzinfarkt, Schlaganfall, Gelenksprobleme, und viele mehr.

Die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde plant nun gemeinsam mit der Universitätsklinik für Kinderchirurgie ein Projekt zu starten, das alle Facetten dieser gewichtigen Problematik abdeckt. Auch sollen bereits bestehende/laufende Projekte wie STYJOBS [Univ.Prof.Dr.Mangge], Sudi, Adipositas Präventionsprojekt Dr. Anna Radinger, noch enger miteinander verknüpft werden, mit dem letztendlichen Ziel, eine flächendeckende und facettenreiche, individuell abgestimmte Betreuung übergewichtiger Kinder und Jugendlicher in der Steiermark zu ermöglichen.

Um dieses Ziel, ein bestmögliche Betreuung anzubieten, erreichen zu können, ist es nötig, im Rahmen einer breit angelegten, institutionsübergreifenden Studie die bestehenden Therapieressourcen und -konzepte noch genauer zu evaluieren. Anwendung von Gastric Banding, einer Methode zur Verkleinerung des Magens, die in Wien von Univ. Prof. Dr. Widhalm und seinem Team schon seit mehreren Jahren mit gutem Erfolg [Widhalm et al] in klinischer Anwendung ist, soll in Graz als letzte Therapieoption bei über lange Zeit stark übergewichtigen Jugendlichen im Alter von 20 Jahren eingeführt werden. Einschlußkriterien für das Durchführen dieser chirurgischen Intervention sind lange, therapierefraktäre Erkrankungsdauer, zahlreiche, fehlgeschlagene, interdisziplinäre Therapieangebote, BMI > 35, großer Leidensdruck und Motivation der Jugendlichen. In zahlreichen Studien [] konnte gezeigt werden, dass so eine rasche Gewichtsreduktion erreicht werden kann, und der Teufelskreis der Insulinresistenz durchbrochen werden kann, und bei entsprechenden begleitenden Therapieangebot eine langfristige Gewichtsreduktion und so verminderte Belastung desGesundheitssystems erreicht werden kann.

Die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde mit all ihren Spezialambulanzen (Endokrinologie, Gastroenterologie, ...), der medizinischen Psychologie, Psychotherapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Ernährungsberatung, bietet das nötige Know-how. Die Universitätsklinik für Kinderchirurgie ermöglicht chirurgischen Interventionen und eine nachfolgende Kontrolle besser. Auch die Sportmedizin nimmt an der Beratung und Kontrolle der Leistungsfähigkeit der Jugendlichen teil, und legt so einen Grundstein für eine dauerhafte Gewichtsreduktion. Durch die unmittelbare Nähe der kooperierenden Institutionen, und ihre Einbindung in verschiedene Projekte, die die verschiedenen Gesichtspunkte dieser gewichtigen Problematik beleuchten, bietet sich die Möglichkeit eines echten, individuell abgestimmten, Erfolg versprechenden Therapiekonzept, das Vorbildwirkung für viele in- und ausländische Institutionen haben wird.

Dieses Artikel finden Sie auch unter:
http://www.kinderpsychosomatik.at/
Erstellt am 31.1.2007 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008