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Kalzium und Vitamin D in der Osteoporoseprävention
Der Einsatz von Kalzium (Ca)- und Vitamin D- Supplementen in der Prävention und Behandlung von postmenopausaler Osteoporose beruht auf einer Reihe von Studien, die den speziellen Nutzen dieser Nährstoffe in Form einer signifikanten, wenn auch nur moderaten Erhöhung der Knochenmineraldichte (BMD) sowie einer Reduktion des Knochenfraktionsrisikos beschrieben. Die Effektivität der Supplementierung ist bei niedrigerer Ausgangsversorgung höher und steigert sich bei Verabreichung in kombinierter Form bzw. bei Vorliegen adäquater Konzentrationen an Nährstoffen wie Proteinen, Magnesium, Zink, Vitamin K und Fluor.

Diese Erkenntnisse zum osteoprotektiven Nutzen dieser Nährstoffe basieren jedoch meist auf Beobachtungsstudien oder Interventionsstudien mit hochdosierten Supplementen, deren Menge über die Nahrung allein kaum aufzunehmen ist. Der Wert der alimentären Kalzium- und Vitamin D- Aufnahme für die Knochengesundheit und deren komplexe nutritive Interaktionen mit anderen Nährstoffen sind a dato weitgehend ungeklärt, wenngleich von großer Bedeutung, da durch langfristige Interventionen mit Ca-Supplementen mögliche Imbalancen wie z.B. eine gehemmte Zink- und Eisen-Absorption diskutiert werden.

Die im Folgenden besprochenen jüngst publizierten Studien greifen zumindest ansatzweise diese Fragestellung auf.

Eine randomisierte Studie an 173 gesunden postmenopausalen Chinesischen Frauen, die weder Kalzium- Supplemente einnahmen noch mehr als zwei Gläser Milch täglich konsumierten, untersuchte den Effekt einer täglich über zwei Jahre verabreichten Magermilchlösung mit 1200 mg Kalzium- Zusatz. Die Intervention resultierte in einer signifikant höheren Kalzium- und Vitamin D- Aufnahme sowie einer signifikant verminderten Abbaurate der Knochenmineraldichte. (Lendenwirbelsäule: -0,13% vs. -0,90% / p<0,001; Hüfte: -0,50% vs. -2,17% / p<0,01; siehe Abb. 1; Studie 1) [1]
In einer weiteren randomisierten Untersuchung wurde 71 untergewichtigen Frauen mit Osteoporose über ein Jahr ein Supplement aus 1000 mg Kalzium und 800 IU Vitamim D täglich verabreicht. Zusätzlich erhielt die Interventionsgruppe ein kommerzielles kalorien- und protein-reiches Nahrungsergänzungsmittel mit diversen Makro- und Mikronährstoffen. Obwohl in der Interventionsgruppe eine signifikante Gewichtszunahme beobachtet wurde, entbehrte die tendenzielle Verbesserung der Knochenmineraldichte jeglicher statistischer Signifikanz. Im direkten Vergleich zwischen all jenen Frauen, die Gewicht verloren, und den Teilnehmerinnen, welche ihr Ausgangsgewicht halten oder verbessern konnten, hatten letztere eine signifikante Erhöhung der Knochenmineraldichte aufzuweisen. (Lendenwirbelsäule: +0,96% vs. -1,64% / p=0,013; Hüfte: +1,04% vs. -2,09% / p=0,05; s. Abb., Studie 2) [2]

Kalzium

Insgesamt betrachtet deuten beide Studien darauf hin, dass die isolierte Gabe von Kalzium bzw. Vitamin D keinen günstigen Effekt auf die Knochenmineraldichte auszuüben imstande ist. Die Autoren folgern daraus, dass auch die Art der Aufnahme, die Versorgung mit anderen Nährstoffen sowie deren Interaktionen wie beispielsweise die Proteine der Milch eine entscheidende Rolle einnehmen, wobei aus Mangel an dazu vorliegenden Studien keine zuverlässigen Empfehlungen tragbar sind.

Die bisherigen positiven Ergebnisse zum Einsatz von Kalzium und Vitamin D in der Osteoporoseprävention sind meist mit sehr hohen Kalzium-Gaben (1-1,2 g Ca täglich) erzielt worden, die für die tägliche Ernährung als unrealistische Vorgabe wenig Praxisrelevanz besitzen.

Hier erscheint eine Neuformulierung der Empfehlungen zur Kalziumaufnahme als sinnvoll, im Rahmen derer eine realistische Aufnahme mit dem größtmöglichsten osteoprotektiven Benefit festgesetzt werden sollte.



© 2004 ÖAIE/ Widhalm K, Fussenegger D

Quelle
:
  1. Chee WS et al.
    The effect of milk supplementation on bone mineral density in postmenopausal Chinese Women in Malaysia.
    Osteoporos Int. 2003;10:828-34.
  2. Hampson G et al.
    Effects of dietary improvement on bone metabolism in elderly women with osteoporosis: a randomised controlled trial.
    Osteoporos Int. 2003;9:750-6.
Artikel Nr. 4019; Schlagwörter: Osteoporose, Kalzium, Vitamin D
Erstellt am 12.11.2004 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008