Die Osteoporoseforschung insbesondere bei Frauen konzentriert sich in hohem Ausmaße auf den Zusammenhang zwischen der Kalziumaufnahme im Mädchenalter und dem Knochenmineralstatus sowie der Peak Bone Mass als mögliche Determinanten für das Osteoporoserisiko in höherem Alter. Die unmittelbare Kausalitätsbeziehung ist jedoch zum gegebenen Zeitpunkt noch weitgehend ungeklärt. Aus Sicht der Ursachenforschung stellt sich die grundsätzliche Frage, inwieweit die Kalziumaufnahme die Knochenmineraldichte überhaupt nachhaltig beeinflusst bzw. eine Optimierung der Kalziumaufnahme durch Ernährungsmaßnahmen erreicht werden kann.
Eine vor kurzem im
American Journal of Clinical Nutrition publizierte Langzeit-Studie befasste sich partiell mit dieser umfassenden Fragestellung, indem die Energie- und Kalziumzufuhr sowie der Getränkekonsum von 192 nicht-hispanischen weißen Mädchen zwischen 5 und 9 Jahren wie auch deren Mütter erhoben wurde. Der Einfluss der Kalziumaufnahme auf die Knochenmineraldichte sowie der Zusammenhang der Trinkgewohnheiten von Mutter und Tochter stellten das zentrale Untersuchungsziel dar.
Die konsumierten Getränke wurden als Milchgetränke, Fruchtsäfte, gezuckerte Softdrinks mit/ohne Kohlensäure oder energiefreie Getränke (Tee, Café, Mineralwasser oder Diätgetränke) kategorisiert. Am Ende der Untersuchungsperiode wurde im Alter von 9 Jahren der Knochenmineralstatus der Mädchen gemessen.
Bei 41% der Mädchen zwischen 5 und 9 Jahren rangierte die Kalziumaufnahme im Bereich der altersspezifischen empfohlenen Tagesdosis (4-8 Jahre: 800 mg/d; 9-13 Jahre: 1300 mg/d). Die übrigen 59 % lagen durchschnittlich bei 78% dieser Empfehlung.
Die Mädchen, deren Kalziumaufnahme der empfohlenen Menge entsprach, konsumierten im Durchschnitt annähernd die doppelte Menge an Milch, entsprechend 400 ml, was in etwa 50% der täglichen Gesamtkalziumaufnahme ausmachte. Der Konsum von gezuckerten Getränken war in dieser Gruppe um 18% geringer als bei jenen Mädchen, welche die empfohlene Kalziummenge nicht erreichten (6,8% vs. 9% der Gesamtenergiemenge).
Hinsichtlich Knochenmineralstatus konnte eine positive Verbindung zwischen durchschnittlicher Kalziumaufnahme und der Knochenmineraldichte beobachtet werden. So war die Knochenmineraldichte der Mädchen mit empfohlener Kalziumaufnahme signifikant (p<0,001) höher (0,85 g/cm²) als in jener Gruppe, deren Versorgung unterhalb des Referenzbereichs lag (0,83 g/cm²). Diese Assoziation war in Bezug auf den Knochenmineralgehalt (976 g vs. 944 g) zwar tendenziell gegeben, aber nur schwach und nicht signifikant ausgeprägt (p= 0,06).
Die Mädchen mit adäquater Kalziumaufnahme hatten trotz signifikant höherer Gesamtenergiezufuhr - entsprechend ca. 200 kcal täglich - keine höheren BMI- Werte zu verbuchen als die minder versorgten Teilnehmerinnen.
Es zeigte sich darüber hinaus, dass den Mädchen mit höherer Kalziumaufnahme von zuhause häufiger Milch angeboten wurde und deren Mütter ebenso öfter Milchgetränke konsumierten, als dies bei der anderen Gruppe der Fall war.
Aus vorliegender Arbeit lassen sich im Wesentlichen folgende Charakteristika für jene Gruppe von 5-9- jährigen Mädchen ableiten, deren Kalziumversorgung im Bereich der empfohlenen Tagesdosis lag (vgl. mit geringer versorgten Mädchen): - Höhere Knochenmineraldichte
- gleicher BMI trotz höherer Gesamtenergieaufnahme
- Milchkonsum doppelt so hoch, 18% weniger Softdrinks
- höherer Milchkonsum der Mütter, Angebot an Milchprodukten zuhause größer
Die Autoren dieser Studie weisen darauf hin, dass eine höhere Kalziumaufnahme junger Mädchen, die mit einer zumindest spontanen Erhöhung des Knochenmineralgehalts einhergeht, wesentlich durch das Getränke- Konsummuster von Mutter und Tochter beeinflusst wird. Infolgedessen erscheint ein routinemäßiges Servieren von Milchgetränken auf Kosten von gesundheitlich wertlosen Softdrinks als relativ einfache aber auch zentrale Maßnahme, positive Gewohnheiten zu unterstützen, um in Perioden der schnellen und verstärkten Knochenmineralisierung während der Pubertät eine adäquate Kalziumversorgung zu gewährleisten. Aus diesem Grund könnte es von Vorteil sein, bereits im Vorschulalter präventive Akzente zu setzen und Wege anzuvisieren, die kalziumreiche Lebensmittel zum alltäglichen Bestandteil der kindlichen Ernährung machen. Ein Beweis für eine echte Prävention einer späteren Osteoporose liegt jedoch noch nicht vor.
© 2004 ÖAIE/ Widhalm K, Fussenegger D
Quelle: Fisher JO, Mitchell DC, Smiciklas-Wright H et al.
Meeting calcium recommendations during middle childhood reflects mother-daughter beverage choices and predicts bone mineral status.
Am J Clin Nutr 2004;79:698-706.
Artikel Nr. 4014; Schlagwörter: Kalzium, Knochenmineraldichte, Osteoporose