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Softdrinks und Übergewicht bei Kindern
Der Konsum von Softdrinks unter Kindern und Jugendlichen war über die vergangenen zwei Jahrzehnte in einer kontinuierlichen Zunahme begriffen und steigt weiterhin an. Laut Schätzung amerikanischer Experten hat sich der Verbrauch seither verdoppelt, sodass in diesem Ausmaß pro Kopf mit einer zusätzlichen Energiezufuhr von ca. 188 kcal täglich zu rechnen ist. Dieser Sachverhalt gewinnt angesichts des dramatischen Anstiegs von juvenilem Übergewicht und Fettsucht umso mehr an Bedeutung.

Eine oft zitierte prospektive Untersuchung stammt von David S. Ludwig, der erstmals in einer Langzeitstudie einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von gezuckerten Softdrinks und Übergewicht bei Kindern beschrieb.

Es wurden dabei 548 Kinder mit durchschnittlichem Alter von 12 Jahren über 19 Monate beobachtet. Nahrungsaufnahme, physische Aktivität und Fernsehgewohnheiten wurden mittels Youth Food-Freguency Questionnaire, Youth Activity Questionnaire und 11-Item Television and Video Measure erfasst. Im Laufe der 1,5- jährigen Untersuchung stieg der Konsum von Softdrinks bei 57% der Kinder signifikant an (ca. 1 Getränk täglich), die Neuerkrankungsrate an Adipositas belief sich auf 9,3%. Die Anpassung an anthropometrische, demographische, ernährungsspezifische und Lifestyle- Variablen lieferte pro zusätzlich konsumiertem Softdrink ein signifikant erhöhtes Risikopotential für Adipositas (OR: 1,6) resp. eine Zunahme des BMI. Die Autoren führen dieses Resultat auf den physiologischen Mechanismus zurück, dass die Kompensation der zusätzlichen Energiezufuhr aus flüssigen Lebensmitteln nur unpräzise und unvollständig von statten geht, d.h. trotzdem die gleiche Energiemenge aus festen Nahrungsquellen zusätzlich aufgenommen wird. [1]

Eine rezente Arbeit zum häufig als Süßungsmittel eingesetzten Fruktose-reichem Maissirup berichtete von metabolischen Konsequenzen, die eine Adipositas begünstigen. [2] Darüber hinaus ist die Verbindung zwischen dem Konsum von Softdrinks und Karies gut dokumentiert. [3,4]

Im Folgenden sollen die Resultate von drei jüngsten Publikationen zum Thema Softdrinks in den wesentlichen Punkten festgehalten werden:
In der nordirischen Beobachtungsstudie wurde der Getränkekonsum von 591 Buben und 744 Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren sowie deren Knochenmineraldichte erhoben. Die adjustierte Regressionsanalyse zeigte bei Mädchen eine signifikant geringere Knochenmineraldichte der Ferse mit zunehmendem Genuss von kohlensäurehaltigen Diät-Getränken (kein Cola). In Analogie dazu steht das Ergebnis einer früheren Studie, das einen starken Zusammenhang zwischen kohlensäurehaltigen Getränken und dem Auftreten von Knochenfrakturen beschrieb. Allerdings fehlen ausreichend konsistente Hinweise, dass der Konsum von Softdrinks - zu Lasten von Milch - eine geringere Gesamt-Kalziumaufnahme zur Folge hat und damit als Erklärung für die herabgesetzte Knochenmineraldichte zulässig ist.[5]

Ein Interventionsprogramm an 6 Schulen mit 644 Kindern im Alter von 7-11 Jahren lieferte das Ergebnis, dass jene Schulklassen, welche schwerpunktmäßig über die Nebenwirkungen von gezuckerten und kohlensäurehaltigen Getränken sowie den gesundheitlichen Nutzen einer gesunden Ernährung und Lebensform informiert wurden, den Konsum von Softdrinks innerhalb von 12 Monaten einschränkten. Es kam in diesen Klassen zu keinem proportionalen Zuwachs an Übergewicht oder Adipositas (-0,2%). (s. Abb. unten).

Graphik Softdrinks
Die Kontrollgruppe hingegen griff über den Untersuchungszeitraum vermehrt zu Brausegetränken und hatte ein Jahr später eine um 7,5 % höhere Prävalenz an übergewichtigen oder adipösen Schülern zu verzeichnen als zu Beginn.   (s. Abb. rechts).


Im Rahmen dieser Studie erwies sich eine zielgerichtete Ernährungsaufklärung als effektive Maßnahme zur Vorbeugung gegen Übergewicht und Fettleibigkeit. [6]

Den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Softdrinks, individuellen TV-Gewohnheiten und Übergewicht erhoben amerikanische Forscher bei 319 11-13-jährigen Schulkindern, wovon zum Untersuchungszeitpunkt bereits 35,3% als übergewichtig und davon wiederum die Hälfte als adipös einzustufen waren. Ein signifikant höherer durchschnittlicher BMI wurde bei täglichem Konsum von mehr als 3 Gläsern eines Softdrinks bzw. bei über 2 Stunden Fernsehen pro Tag beobachtet. [7]

Der stark ansteigende Trend zu gezuckerten, kohlensäurehaltigen Softdrinks sowie zunehmender Bewegungsmangel werden als potenzielle Co-Faktoren für die epidemische Ausbreitung von Übergewicht bzw. Fettsucht bei Kindern und Jugendlichen gewertet. Im Konkreten erweisen sich Softdrinks als überflüssige Energieträger, die darüber hinaus als Promoter für Karies sowie eine Reduktion der Knochenmineraldichte diskutiert werden. Diese Fakten unterstreichen die dringliche Notwendigkeit frühzeitiger Präventivmaßnahmen im Rahmen von schulischen Kampagnen zur Gesundheits- und Ernährungsschulung!

Literaturverzeichnis:
  1. Ludwig DS, Peterson KE, Gortmaker SL. Relation between consumption of sugar-sweetened drinks and childhood obesity: a prospective, observational analysis. Lancet 2001;357:505-08.
  2. Bray GA, Nielson SJ Popkin BM. Consumption of high-fructose corn syrup in beverages may play a role in the epidemic of obesity. Am J Clin Nutr 2004;79;537-43.
  3. Marschall TH, Steven ML, Broffitt B et al. Dental Caries And Beverage Consumption in Young Children. Pediatrics 2003;112(3):184-91.
  4. Joint Report of the American Dental Association Council on Access, Prevention and Interprofessional Relations and Council on Scientific Affairs to the House of Delegates: Response to Resolution 73H-2000, October 2001. www.ada.org/prof/resources/topics/topics_softdrinks.pdf ( 20 August 2004)
  5. McGartland C, Robson PJ, Murray L et al. Carbonated Softdrink Consumption and Bone Mineral Density in Adolescence: The Northern Ireland Young Hearts Project. J Bone Miner Res 2003; 18(9):1563-9.
  6. James J, Thomas P, Cavan D, Kerr D. Preventing childhood obesity by reducing consumption of carbonated drinks: cluster randomised controlled trial. BMJ 2004; 328(7450):1237-9.
  7. Giammattei J, Blix G, Hopp Marshak H et al. Television Watching and Soft Drink Consumption. Arch Pediatr Adolesc Med 2003;157(9):882-6.


©ÖAIE 2004/ Widhalm K, Fussenegger D
Artikel 4013: Softdrinks, Übergewicht, Knochenmineraldichte
Erstellt am 11.11.2004 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008