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Das Körpergewicht als Ausdrucksmittel
Waage In einer Zeit von fast grenzenlosen Mitteln der körperlichen Wandlung wie Haare färben, Tätowierungen, Piercings, sich durch Schönheitschirurgie ewige Jugend zu erhalten versuchen oder der ständige Wechsel von äußeren Images als Rollen oder Zugehörigkeitsuniformen ist die Modulierung des eigenen Körpergewichtes und das Modellieren des eigenen Körpers durch drastische Gewichtsveränderungen eine gute erreichbare und für jeden zugängliche und häufig gewählte Option.
In einer Welt, in welcher 1/3 der Menschheit darunter zu leiden scheint, dass das Angebot an verfügbaren Essens um sie herum zu groß ist, währenddessen mindestens 1/3 der Menschheit hungert und seine Lebensenergie auf die Sicherung genügender Mahlzeiten vergibt, sucht das oftmals besonderes intelligente, wahrnehmungssensible und sozial verantwortliche und kritische Kind oder der einzelne Jugendliche in der kalorisch gesättigten Welt Optionen der Selbstdefinition, um sich abzugrenzen und seine Identität körperlich spürbar zu verändern. Sein Körpergewicht selbst reduzieren zu können, heißt in einer mit genügend Essen gesegneten Welt Disziplin und Selbstbeherrschung zu zeigen und wird positiv bewertet, solange der Gewichtsverlust nicht dramatisch wird. Nebst den eigenen körperlichen Veränderungen wie Verlangsamung der Verdauung, Reduzieren der Körpertemperatur, Reduzieren der Herzfrequenz, Verlust der Regelblutung, Euphorie und Überwertigkeitsgefühle stellen sich auch verschiedene Symptome ein, welche den beginnenden Suchtmechanismus weiter begünstigen. So kann eine erfolgreiche Diät plätzlich in eine nicht mehr beherrschbare Gewichts- und Appetitstörung abgleiten, in welcher der versuchte Mechanismus der Identitätsverstärkung bereits gesundheitsschädigende Wirkungen hat. Pathologisches Streben nach Nichtessen und aktive Essverweigerung mit folgendem lebensgefährlichen Untergewicht kommt bereits im Säuglingsalter vor: die Diagnose infantile Anorexie beschreibt Kindern zwischen 1 und 3 Jahren, welche ihre gesamte Persönlichkeit in die Abwehr des Nahrungsangebotes stecken und im Hunger einen immer stärkeren Willen entwickeln. Auch pathologisches, rein alimentäres Übergewicht gibt es bereits im Säuglingsalter, Kleinstkinderalter, die nicht zum Essen aufhören und ständig hungrig sind und ihr erwachsenes Umfeld mit Nahrungsbeschaffungswünschen terrorisieren. So ist gerade bei den Gewichtsproblemen von Anfang an der interaktive Aspekt immer mit zu berücksichtigen und führt zu einer Henne-Ei-Dynamik, in welcher die Frage, wer und was beeinflusst wen wie letztlich kontraproduktiv ist.

Den gleichen Artikel finden Sie auch unter:
http://www.kinderpsychosomatik.at/
Erstellt am 25.2.2007 | Zuletzt bearbeitet am 23.3.2008