Text für das Internet Forum " Kinderheilkunde sowie Homepage der GAIMH" (Copyright beim Autor).
Die Erziehung eines Kindes - damit gemeint ist der elterliche Umgang im täglichen Zusammenleben mit den Themen Autorität, Regeln, Wertungen ect - hat meist keinen direkten Einfluß auf seine konkrete Ernährung. Damit soll gesagt werden, daß Eltern ihre absichtsvollen und bewußten Erziehungsziele eher auf disziplinäre Anliegen wie Befolgen von Aufträgen, Aufgaben bei Tischritualen, soziale Umgangsformen und Manieren richten.
Indirekt wirken jedoch erzieherische und familienspezifische Gewohnheiten massiv auf die Essenskultur in jeder Familie und indirekt also auch auf die Entstehung frühkindlicher Fütterungsstörungen und späterer kindlicher und jugendlicher Essstörungen bis hin zur Magersucht und der Ess - Brechsucht!
Der Fachausdruck "the feeding relationship- (Die "fütternde- Beziehung) besagt, daß jede Fütterungssituation eines Neugeborenen, Säuglings oder Kleinkindes vor dem 2.-3.Lebensjahr die Dependenz des Kindes von einem meist Erwachsenen (dies ist meistens die Mutter) bedingt. Das "Fütterungsverhalten- ist Teil des gesamten "Attachment-/ Bindungsrepertoirs der erwachsenen Bezugspersonen, so daß deren intuitiven Interaktionsmuster, Neigungen, Sensitivität und Wahrnehmungs-Differenziertheit natürlich in jede reale und imaginierte Eß-Fütterungssituation einfließen. So werden beispielsweise der Geschmack genetisch, also angeboren, aber auch stark interaktionell, traditionell und kulturell geprägt.
Die Atmosphäre der Mahlzeiten, die Stimmung der Essenden, die Gestaltung des Tischs, die Rituale des Auftragens, die Speisenfolge, und vieles mehr hat sicherlich einen prägenden und wichtigen Einfluß auf die Ernährungsgewohnheiten und Appetitfreudigkeit eines Kindes.
Der Hunger - Sättigungszyklus entsteht im sensitiven Umgang des pflegenden Erwachsenen mit dem heranwachsenden Säugling. Erst eine liebevolle und sensible Signalinterpretation durch die Mutter ermöglicht es dem Säugling seinen Impuls zu signalisieren und die sensomotorischen Voraussetzungen für den komplexen Akt der Saug " Schluck - Atem Koordination zu regulieren.
Hier können bereits durch Überängstlichkeit oder Überinvolviertheit der erwachsenen Pflegeperson zu übergriffigen Handlungen der Erwachsenen führen. Die Entwicklung von Selbstständigkeit, Identität, Kompetenz, Explorationslust und Autonomie des Säuglings können dadurch sensibel gestört werden und bereits im Alter von wenigen Wochen aktive Widerstandsmuster gegen das Gefüttert werden entstehen.
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© Marguerite Dunitz-Scheer, Graz 15.11.2000