Zusätzliches THERAPIEANGEBOT
Einzelpsychotherapie:
Im Erleben einer therapeutischen Beziehung soll die verlorene Qualität zwischenmenschlichen Erlebens und das Fühlen der eigenen Affekte wie auch das Wiedergewinnen der eingeschränkten Werte-Welt zur einstigen lebendigen und vielfältigen Persönlichkeit der Jugendlichen vor der Erkrankung zurückzuführen. Die PatientInnen sollen erfahren, in ihrer subjektiven Unsicherheit akzeptiert zu werden; sich aus ihre Enge, Starrheit und Einsamkeit zu lösen und Gefühle wie Macht und Stärke anders erlebbar zu machen als durch Essensverweigerung.
Bewegungstherapie:
Die PatientInnen lernen dabei ihren eigenen Körper wieder zu fühlen und zu spüren. Dies erfolgt in Einzel- und Gruppensetting. Mit der Zeit können unsere PatientInnen ihren Körper wieder akzeptieren und besser wahrnehmen.
Ernährungsberatung:
Die Ernährungsberatin kann für das Erlernen einer ausreichenden Ernährung zur Verfügung stehen. Damit werden auch alle anderen Familien- und Teammitglieder von diesem Thema entlastet.
Gruppentherapie/Sozialpädagogik:Das Teilen von Gedanken und "Freud und Leid" in der Gruppe der Gleichaltrigen ist ein wichtiger Baustein des Gesundwerdens. Regelmäßige therapeutische Ausgänge (Kinobesuche, "schwimmen gehen"....) sind ebenso wichtig wie Besuche von Gleichaltrigen.
Schule und kreative Medien:Im Fall der stationären Aufnahme wird unsere heilpädagogische Schule und - wenn möglich - an ausgewählten Tagen die externe Regelschule besucht. Unsere Pädagogen bemühen sich um konstruktive Kommunikation mit den externen Kollegen und um ein Koordinieren der anstehenden Leistungsanforderungen. Zusätzlich wird jede kreative Ausdrucksform wie Musik, Malen, Basteln, Tanzen, Theater spielen etc. gefördert.
Familientherapie:In Familien von essgestörten PatientInnen sind die Beziehungen oft sehr eng, manchmal verstrickt und wenig autonom. Dazu kommt, dass die Krankheit gerade für Eltern sehr besorgniserregend ist und auch dadurch, wie bei vielen schweren Krankheiten, das Entwicklungspotential aller Familienmitglieder auf die Anorexie und ihre folgen eingeengt wird. Eine familienorientierte Therapie soll ehlfen, mit dem gestörten Essverhalten der Tochter/des Sohnes und/oder Schwester/Bruder umgehen zu lernen. Meist beschäftigen sich die Familienmitglieder so stark mit der Anorexie, dass sie sich um andere Probleme nicht mehr kümmern können. Die/der von der Anorexie-Betroffene erhält auf diese Weise ungeteilte Aufmerksamkeit und die Familienmitglieder müssen sich mehr mit eigenen Konflikten beschäftigen. Gelingt es, diese Reaktionsweise zu unterbrechen, tritt häufig eine Besserung ein.
Einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Heilung ist die Einsicht - vor allem auch die der Eltern - in die Schwere der Erkrankung und in die Notwendigkeit einer Behandlung. Dies ist in der Regel sehr schwer, da sich die Betroffenen subjektiv gesund fühlen, ihren Körper noch immer - oder gerade wegen der hochgradigen Unterernährung als schön empfinden und ihre Abmagerung als brauchbare Lösung ihrer Probleme darstellen. Gerade deshalb lernen viele PatientInnen jede Form der angebotenen Hilfe für grobe Ungerechtigkeit der Erwachsenen und als Angriff auf ihr Selbstbestimmungsrecht entschieden ab.
Eltern sind damit starkem Druck ausgesetzt. Dem Kind nicht helfen zu können, das Schuldgefühl des eigenen Versagens sowie der oft dramatisch vorgetragene Vorwurf des Kindes, dem Krankenhaus "ausgeliefert zu werden, erzeugt große Unsicherheit, die oft ein enormes Konfliktpotential in sich birgt.
Entscheidend für die Genesung des Kindes ist daher auch das Bemühen, die Kommunikation zwischen Eltern, Patienten und Krankenhauspersonal offen, transparent und persönlich d.h. soweit wie möglich nicht über Telefon und über "Boten" zu gestalten. Es ist unbedingt erforderlich, dass Eltern an den angebotenen Gesprächen und Visiten - jeden Freitagvormittag - teilnehmen (830 Elternvisiten, 1.000 Elternrunden).
Dieses Artikel finden Sie auch unter:
http://www.kinderpsychosomatik.at/