Der folgende Text ist eine Information über die Art der Diagnosefindung und das therapeutische Angebot der psychosomatisch-psychotherapeutischen Station der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz. Wir freuen uns unseren Patienten und deren Familien unsere Erfahrungen und Kenntnisse, die wir in mehr als zwanzig Jahren Erfahrung gesammelt haben, zur Verfügung zu stellen. Eines der Hauptprobleme am Anfang der Begegnung zwischen besorgten Familien und dem Gesundheitssystem ist die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmung bei allen Beteiligten über den Grund der Vorstellung. Die betroffenen Jugendlichen fühlen sich meist (noch) fit und wenig belastet; wohl besteht eine überdurchschnittliche geistige Beschäftigung mit dem Thema Essen, Ernährung und Körpergewicht und die Einsicht, das viel an Körpergewicht abgenommen wurde, aber eine "Krankheitseinsicht" bzw. Wahrnehmung eines eigenen Leidensdrucks oder gar Beschwerden oder Schmerzen fehlen meist. Im Gegensatz dazu sind die Angehörigen voller Sorgen, sehen große Veränderungen in der körperlichen, aber auch der seelischen Befindlichkeit ihres Kindes und haben das Gefühl, zu Hause nichtmehr so miteinander leben zu können, dass der Entwicklung der fortschreitenden Gewichtsverlustes gegen gesteuert werden könnte. Wie bei fast jeder Suchterkrankung ist die Diskrepanz zwischen elterlicher und kindlicher Wahrnehmung groß, wobei eben gerade diese Unterschiedlichkeit vom Jugendlichen geleugnet wird, weil die sekundären positiven Gefühle wie Euphorie, Stolz, Überwertigkeit und Starksein überwiegen. Nun muss es also bei der Erstvorstellung fast zwingend zu einem Interessenskonflikt kommen, in welcher der Arzt so und so das Falsche tut; zeigt er sich auch besorgt über den Gewichtsverlust und dessen mögliche Folgen, ist er für die Jugendlichen nicht glaubhaft, er verrät sie oder ihn sozusagen. Stellt er sich aber emotional auf die Seite des "Patienten", sind die Eltern verunsichert und können kein Vertrauen in das Potential des Helfersystems aufbauen. In dieser Situation ist es wichtig Fakten und Gefühle zu trennen: Ist-Gewicht und Soll-Gewicht; mögliche Veränderungen im Hormonstatus, den Blutwerten, der Knochendichte oder der Herzfunktion sind die "harten" Fakten, die über die Notwendigkeit einer Behandlung entscheiden. Im eher seltenen Falle das Lebensgefah besteht, muss der Jugendliche aus medizinischen und rechtlichen Gründen sofort stationär aufgenommen werden. Wir können und müssen dann wenig oder nicht auf den erklärten Willen des Jugendlichen Rücksicht nehmen. Meist gelingt es jedoch, in der Erstvorstellungssituation eine gemeinsame Einsicht über die Notwendigkeit einer Veränderung un den Wunsch Hilfe anzunehmen zu erreichen, welche als Grundlage einer respektvollen und sich gegenseitig achtungsvoll begegnenden Zusammenarbeit zwischen Eltern, Patienten und Team dient. Dies ist unser Angebot. Alle ÄrztInnen, das Pflegepersonal und unser gesamtes Team freut sich auf die Zusammenarbeit und weiß also, dass Sie sich - sowohl als Jugendlicher wie auch als Eltern - in einer schwierigen Lebensphase befinden. Wir hoffen, Ihnen hlfen zu können. Diesen Artikel finden Sie auch unter: http://www.kinderpsychosomatik.at/
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